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Skizzen aus unserm heutigen Volksleben. 17. Die Masern in Groß-Rüblingen
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Skizzen aus unserm heutigen Volksleben

Die Masern in Groß-Rüblingen

Der Gcmcindekrug zu Grvß-Rüblingeu erfreute sich eines lebhafte» Zuspruches von Gästen uud Fliegen. Beide vertrugen sich gut mit einander, saßen ihre Zeit thatlos auf Stühlen und Bänken und steckten ab und zu ihre Rüssel,beziehent­lich" ihre Nasen ius Glas oder iu einen Tropfen. Die Gäste waren meist Knechte, die ihren schönen Lohn im Vorbeigehen an den Mann bringen wollten, ein paar heruntergekommene Bauern, ein stets betrunkener Chausseekratzer und wer gerade sonst die Landstraße zog und nicht borübergehen wollte. Heute war Zenker-Fritze, einer von den Großbauern aus Klein-Rübliugen, zur ungewohnten Stunde, das heißt bereits am Vormittage, eingetreten. Wenn wir ihn Großbauern nennen, so thun wir das unter uns. Dort zu Lande will man nicht Bauer heißen, man nennt sichOekonom" uud ahmt die Tracht und das Benehmen des Gntsverwalters nach. Also Zenker-Fritze hatte sich breit auf seiueu Stuhl hingepflanzt, hatte sich einen Coguak geben lassen nnd war eine Zeit laug iu tiefem Sinnen sitzen ge­blieben. Jetzt stand er stöhnend auf und reckte die Glieder.

Na, wieder weiter reisen? rief der Wirt von seinem Bierschcmk aus.

Es hilft ja weiter nichts.

Ein Bischen zum Scheibenschießen in den roten Hahn? Nein, Kinder suchen zum Nübenverziehen. Weißt du keine, Wilhelm? Der Wirt stand sich nämlich mit der ganzen Gegend auf du uud du. Kinder? Kinder haben wir genug. Aber es ist Schule. Na dann wird freigegeben.

Wenns nur wahr istl Versuchs, Fritze. Aber unser Pastor ist nicht so, der giebt nicht gleich frei. Wenns noch der Kantor wäre, mit dem läßt sich reden. Oder Wenns der Schulze wäre, der ist anch nicht so.

Nein, der ist nicht so, klang es aus dem Hintergründe, alles was recht ist, aber unser Schulze ist nicht so.

Mit dem kann man Pferde mauseu, lallte der Chausseekratzer. Das war ein vermessenes Wort, das ein andrer sich nicht hätte erlauben dürfen, aber dem betrunknen Kerl nahm man nichts mehr übel. Man lachte nur und sagte: Du hälft dein Maul!

Es schien also geboten, zum Herrn Pastor zu gehen. Ein Bauer geht aber nie den einfachen und geraden Weg, wenn es möglich ist, einen Umweg zu machen oder eine Hinterthür zu suchen. Außerdem fühlte sich Zenker-Fritze durch die Stimme seines Herzens zu dem hingezogen, mit dem mau Pferde mausen konnte. Er ging also zum Schulze» und trug seine Sache vor. Der Schulze machte sein aller- wichtigstes Gesicht, konnte aber nichts erlauben und schickte Zenker-Fritzen zum Herrn Kantor. Der Herr Kantor machte alle Nebengesichtspunkte, Nebenvorteile