Kleinere Mitteilungen.
381
das Verhalten des Zentrums im Zusammenhange mit einer weithin erkennbaren katholischen Bewegung, eine römische Frage ab, die ersichtlich dazu bestimmt ist, den Weltfrieden aus den Angeln zu heben, und die daher der Aufmerksamkeit aller Patrioten hiermit empfohlen sei.i
Kleinere Mitteilungen.
Ein Kritikerstreit. Wir verschonen unsre Leser nach Möglichkeit mit den Einzelheiten wissenschaftlicher Polemik, ganz besonders wenn sie sich auf dem Gebiete abspielt, auf dem bekanntlich von jeher das Maaß der aufgewendeten Galle in einem beträchtlichen Mißverhältnis zu dem des behandelten Gegenstandes steht, nämlich auf philologischem Gebiete. Da wir aber nun einmal — wir gestehen es, zu unserm Bedauern — Anlaß zu einer solchen gegeben haben, und zwar ahnungslos durch Aufnahme eines uns nach dieser Richtung hin sehr ungefährlich dünkenden Aufsatzes, so ist es unsre Pflicht, wenigstens unser Verhältnis dazu kurz darzulegen, ohne unsern Lesern den Genuß einer Fortsetzung des Streites zuzumuten. H. Düntzers Besprechung von Kuno Fischers Festvortrcig bei der letzten Goetheversammlung über Goethes Jphigenie (in Buchform bei C. Winter in Heidelberg erschienen), der wir in Nr. 40 Raum gewährten, hat den Zorn des Verfassers in ungewöhnlich hohem Grade erregt.*) Die Frage, ob die Jphigenie in religiöschristlichem oder antik-humanem Sinne aufzufassen sei (eine Frage, die uns nebenbei sehr wohl eine doppelte Beantwortung zuzulassen scheint) hat hierbei zu Wirkungen geführt, die dem Anlaß nicht nur wenig entsprechend, sondern — sowohl im „religiös-christlichen als antik-humanen Sinne" — seiner wenig würdig erscheinen dürften. Grade von dem Vertreter einer so versöhnlichen Interpretation der Jphigenie, wie es die erstgenannte ist, sollte man einen weniger beleidigten und persönlich gereizten Ton erwarten einem Gegner gegenüber, der in der ruhigsten Weise nichts andres gethan hat, als die „andre Seite" einer offenbar zwiespältigen Sache zu beleuchten. Daß sich der Zwiespalt sehr wohl einen läßt, daß, wie Fischer auf S. 46 seiner Schrift selbst anführt, der „christliche Charakter" der Dichtung keineswegs erst von ihm herausgefunden worden ist, auf der andern Seite ihr rein humaner Charakter (die Griechin im Barbarenlande) damit sehr wohl bestehen kann, diese Erkenntnis scheint beiden Verfassern bei ihrer Sondermeinung in Verlust geraten zu seiu. Düntzers Argumente sind nicht die unsrigen, ebensowenig Wie der Ton des Fischerschen Artikels der der Allgemeinen Zeitung, und wenn Wir in der angeführten Nummer eine Seite umschlagen und in dem vierteljährlichen „Verzeichnis der Herren Verfasser" unter den ersten H. Düntzer finden, so fragen wie uns vergeblich, warum gerade die Grenzboten ihre Besorgnis vor „elenden Artikeln" bis auf die Beiträge der Fachgelehrten ausdehnen sollten, die einmal „andrer Meinung" sind.
») S. die Beilage zur Mg. Z. Nr. 19S: „Herr Düntzer als Kritiker."