Neuere schwäbische Dialektdichtung.
279
sie hat sogar Friedrich dem Großen sein Prädikat gestrichen und nur gestattet, daß er der „zweite" genannt werde. Das ist doch albern!" Am 14. März 1822 in den Tagen der begeisterten Parteinahme für Webers „Freischütz" gegen Rossini schreibt Costenoble: „Sophie Schröder besuchte mich heute uud teilte mir mit, daß mein Gedicht an Weber die Zensur nicht Passire, weil ein Lorbeer darin vorkommt und man in Wien diesen Ehrenzweig für den Tondichter des Freischütz zn hoch halte. O Jammer! Noch mehr! Jfflands Bild, nach dem Berliner Originale kopiert, wurde hier nur ohne Adlerorden zugelassen. Armseliger Zustand!"
Neuere schwäbische Dialektdichtung.
lle Dialektdichtung hat sowohl in Beziehung auf den Stoff als auf die Form ihre Grenzen. Ihr Hauptgebiet ist das der Genremalerei, der Idylle, nach der heitern wie nach der ernsten Seite, das eigentliche Haus- und Familienleben, Gemüt und Herz. Niemand wird von ihr epochemachende Werke verlangen mit neuen, großen Gedanken, die auf die Gesamtentwicklung des geistigen Lebens eines Volles oder gar auf die Weltlitteratur von bestimmendem Einfluß würden. Fritz Reuter ging in der Wahl seiner Stosse vielleicht bis an die äußerste Grenze, aber er wußte wohl, daß er diese nicht durchbrechen konnte. Große weltbewegende Ereignisse kann die Dialektdichtuug immer nur fragmentarisch, einseitig, in ihren Reflexen auf das kleine Leben ihrer Helden darstellen.
Es ist eine ihrer psychologischen Begründung nach hochinteressante, fast allgemein feststehende Annahme, alles Dialektische müsse humoristisch sein. Eigentümlicherweise ergiebt sich bei einer nüheru Untersuchung wenn auch kein „mnß," so doch die Thatsache, daß in unsrer gesamten Dialektdichtung der Humor eine weitaus gewichtigere Rolle spielt, als in unsrer hochdeutschen Litteratur, wo er selbst in Lustspielen oft genug die bedenklichste Zurücksetzung erfährt. Seine Haupterklärung findet dieser Umstand eben in dem auf das privatere Leben begrenzten Stoffgebiete der Dialektdichtung. Namentlich gäng und gäbe war das erwähnte Vorurteil, wenn man so will, eine Zeitlang dem schwäbischen und bairischen Dialekt gegenüber, gerade als ob der Sprache dieser Leute für Leid und Ernst überhaupt kein rechter Ausdruck gegeben wäre. Was insbesondre das Schwäbische anbelangt, so kann man oft, auch im Lande selbst, Äußerungen