254 TagcbuchblÄtter eines Sonntagsphilosophen.
spurlos vorüber. Der aufmerksame Zeituugslcscr wird sich vielleicht der vor kurzem durch die öffentlichen Blätter gelaufenen Nachricht erinnern, daß Neuseeland auf dem Punkte stehe, seine schon übertriebenen Schutzzölle noch um einige Prozente hinauszusetzen. Das Kolonialamt wird das mit einigem Bedauern für die englische Industrie rnhig geschehen lassen. Würde eine deutsche Kolonie das gleiche thnn, so wären wir diplomatischer Einwirkungen zu Gunsten des einzigen und wahren Freihandels gewiß.
Ein im Prinzip freihändlerisches Volk und seine Regierung erkennen damit an, daß der Freihandel nur für eiue bestimmte wirtschaftliche Entwickelungsstufe paßt. Und wenn dies zugegeben wird, so ist ein Punkt des Streites über den Freihandel gehoben. Es kann noch eine Meinungsverschiedenheit darüber bestehen bleiben, wann ein Land für den Übergang zum Freihandel reif ist und wie er sich praktisch gestalten soll. Auch über das letztere kann nicht lange gestritten werden: der Übergang kann nur allmählich, niemals plötzlich vor sich gehen. Allerdings sind unsre parlamentarischen Freihändler in Deutschland so unklug, fort und fort der radikalen schärfsten Rückkehr zum Freihandel das Wort zu reden, aber sie setzen sich damit in Widerspruch mit der gesunden Vernunft und mit ihrem Meister Adam Smith, der, wie wir bereits erwähnt haben, schon aus reiner Menschlichkeit für die in einer Industrie beschäftigten Arbeiter gegen die plötzliche Aufhebung der Schutzzölle aufgetreten ist.
Tagebuchblätter eines ^onntagsphilosophen.
^2. Gute alte Zeit und Fortschritt.
»
^-,^L«5
MMK
ic sogenannte gute alte Zeit, das ist ein beliebtes Ziel des Spottens oder Spöttelns in dem Gedankenkreise, der den Tag beherrscht. Es ist, als gälte es den Leuten, mit dem Glauben daran aufzuräumen als mit einem Stück schädlichen Aberglaubens, der noch aus einer glücklich überwundenen Zeit hier und da übrig ist. Ich habe an dem Spotte nie Freude gehabt, auch nicht, wo er einmal als berechtigt erscheinen konnte, obschon ich mich vor der Gefahr, die Gegenwart zu verachten über der Freude an Dingen der Vorzeit, früh genug gesichert fühlte schon durch den Vers des Horaz von dem Alten, der allem Neuen mit Achselzucken und Kritteln gegenüber steht: äWoilis, qusrulus, 1g.näg.tor temxori8 aeti (g,rs xost. 173).