Die neuesten Darstellungen der deutschen Kunstgeschichte.
129
mittelbarer Beziehung zu einem großartigen System, er mußte darin, wie befremdlich ihm dies auch scheinen mochte, die „gegenseitige Belehrung" anerkennen. Was Schopenhauer von Goethe entlehnt hat, ist deutlich erkennbar und von Schopenhauer selbst in seinen Werken als entlehnt bezeichnet. Es ist, wie Harpf (in der oben angeführten Abhandlung) es sehr gut entwickelt hat, vor allem die Methode der zusammenhängenden unmittelbaren Anschauung, die schon in der Verbindung der zweifellosen Phänomene oder Experimente das hinreichende Wissen, man könnte sagen den „zureichenden Grund" setzt, dann die hohe Bedeutung der Idee oder des Typus der organischen Wesen für die Naturforschung. Ebenso interessant ist es aber auch, wie bei Goethe die Gedanken Schopenhauers nachklingen und bald mehr, bald weniger deutlich zu Tage treten. Eine kleine Blumenlese solcher Anklänge darf in dem Jahre, wo die litterarische Welt den hundertsten Geburtstag Schopenhauers gefeiert hat, seinem Andenken nicht fehlen und wird auch der Goethegemeinde nicht unwillkommen sein.
(Schluß folgt.)
Die neuesten Darstellungen der deutschen Kunstgeschichte.
em Versuche, drei neue zusammenfassende Darstellungen der deutschen Kunstgeschichte bei dem Leserkreise dieser Blätter einzuführen, muffen wir einige Worte vorausschicken, die uns iu den Stand setzen sollen, einen gerechten Maßstab an die drei schon äußerlich ungleichartigen Arbeiten zu legen. Die auch ihrem Erscheinen nach zuerst zu nennende Geschichte der deutschen Kunst, die im Verlage von Grote in Berlin erscheint, und die wir daher schlechtweg die „Grotische" Kunstgeschichte nennen wollen, behandelt die Entwicklung der einzelnen bildenden Künste in Deutschland getrennt, und zwar ist für jede einzelne Abteilung ein bewährter Fachmann gewonnen worden. Die Geschichte der deutschen Baukunst von R. Dohme und die der Plastik von Wilhelm Bode liegen bereits in abgeschlossenen Bänden vor, während die der Malerei von Hubert Janitschek, sowie die Darstellungen des Kunstgewerbes und des Kunstdruckes noch ihrer Vollendung harren. Eine Verzögerung der beiden letztgenannten Abteilungen hat das Zurücktreten Julius Lessings und Friedrich Lippmanns von dem Unternehmen hervorgerufen. An ihre Stelle werden aber Jakob von Falke und Karl von Lützow treten, so daß die Fortsetzung des Werkes auch auf diesen Gebieten gesichert ist. Unsre Besprechung kann sich natürlich nur an die bisher erschienenen Lieferungen halten, da jeder Grenzbotcn IV. 1883. 17