Heilgymnastik im Altertum.
u den Dingen, welche neuerdings stark in die Mvde gekommen sind, gehört auch die Heilgymnastik. Ärzte empfehlen sie Gesunden und Kranken, Turnlehrer werfen sich mit Erfolg auf diesen neuen Zweig der Gesundheitspflege, es erscheinen Bücher, welche die Theorie entwickeln und die anzustellenden Übungen durch Schrift und Bild veranschaulichen. Liest man dergleichen, so bekommt man wohl den Eindruck, als ob wieder einmal ein ganz neuer Fund gemacht, als ob zu den vielen Mitteln des naturgemäßen Heilverfahrens noch ein neues, bisher gänzlich unbekanntes hinzugekommen sei. Und es ist ja anch unzweifelhaft richtig, daß die Heilkunde sich erst verhältnismäßig spät um die Gymnastik des Körpers zu kümmern begonnen hat, und daß der alten, vom Vater Iahn begründeten Tnrnkunst eigentlich hygieinische Zwecke noch fern lagen. Daß regelmüßige Bewegung in frischer Luft zn allen Zeiten als das vorzüglichste Mittel zur Erhaltung der Gesundheit gegolten hat, ist ja bekannt und wird durch die Hcbelsche Geschichte von dein kranken Manne, der ans Schusters Rappen dnrch die Welt kutschirend den Lindwurm in seinem Bauche zu Tode ärgert, aufs ergötzlichste illnstrirt. Auch Neiteu, Fechten, Gartenarbeit oder Holzsägeu ist von jeher von Ärzten und von Laien empfohlen worden; aber die Heilgymnastik, so wie sie heute betrieben wird, scheint mit Ausnahme etwa der länger bekannten und beliebten Hantelübungen etwas neues, etwas funkelnagelneues zn sein.
Und doch haben schon die Alten wohl gewußt, daß Turnübungen, methodisch betrieben, die Kosten für Arzt und Heilmittel ersparen können, und die medizinische Wissenschaft hat sich seit Hippokrates angelegentlich mit der Diätetik der Leibesbewegnngen beschäftigt. Freilich war der diätetische Nutzen nicht der ursprüngliche Zweck der Gymnastik. Vielmehr hatte sie anfänglich nur die Aufgabe, den jugendlichen Körper stark und schön zu machen. Das geht unter andern: deutlich aus dem Platonischen „Gorgias" hervor, wo Sokratcs mit Berufung auf das bekannte Skolion:
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