Kleinere Mitteilungen
155
Ihr zerrissenes Gewand hing lose um ihre schlanken Glieder, das braune, lockige Haar umwehte ihr vor innerer Bewegung sanft gerötetes Antlitz, aus dem die großen, blauen Augen mit einem neuen, Hellern Glänze heraus leuchteten. Die nackten Füßchen waren vom Grase bedeckt, und mit den Händen hielt sie das Gewand über dem Busen zusammen.
Sie sah sich um. Gegen den gelben Abendhimmel zu flog ein Zug wilder Schwäne, noch von dem letzten Sonnenschimmcr beschienen, sodaß sie wie feurige Wundervögel am Himmel schwebten. Dorthin wollte Rüben gehen, dort hoffte sie zu finden, was sie nun mit aller Sehnsucht, aller Kraft ihrer Seele suchen wollte. Und wenn sie es gefunden, dann wollte sie zurückkehren und ihm, David, sagen: Du hast uns', den Schwachen, Hilflosen, beigestanden, als wir deiner bedurften, nuu bringe ich dir zum Danke, was deine Seele sucht.
Die wilden Schwäne stießen einen lauten Schrei aus. Jeschkas Herz war so voll, daß sie mit einem hellen Nnfe antwortete; dcmu, durch ihre eigne Stimme erschreckt, glitt sie. sich scheu umsehend, an dem Teiche entlang ihrer Hütte zu.
Sie wußte noch nicht, wie und wann sie ihre Heimat verlassen sollte, doch ein unbeschreibliches, großes Vertrauen auf eine Hilfe von oben erfüllte ihr Herz nnd gab ihr Mut und Geduld. (Fortsetzung folgt.)
Kleinere Mitteilungen.
Deutsch oder französisch? Eine wie verblüffende Wirkung die Veröffentlichung der gefälschten „bulgarischen" Aktenstücke durch den „Neichscmzeiger" ans die orlecmistische Partei ausgeübt haben muß, verrät die Haltung des Pariser „Figaro." Dieses doch sonst so geriebene Blatt weiß in seiner Verlegenheit nichts besseres vorzubringen als die Annahme, jene Schriftstücke feien in Berlin verfertigt worden, und zwar viel zu ungeschickt, als daß sie jemaud täuschen könnten. Wie in Petersburg, wo die Briefe des Prinzen Ferdinand von Koburg eingestandenermaßen für echt gehalten worden sind, dieses Kompliment aufgenommen werden wird, ist eine Sache für sich. Das eine geht wohl für jeden Leser aus deu Briefen hervor, daß der Schreiber derselben mit den zwischen den verschiednen Zweigen der Familie Koburg-Orleans jetzt bestehenden Beziehungen wohlvertraut sein muß, und das wird den Redaktoren des „Figaro" ohne Zweifel auch aufgefallen sein. Ueber einen andern Punkt hätten sie sich bei ihrem Kollegen, welcher früher der deutschen Nation die Ehre erwies, sich zu ihr zu rechnen, Rats erholen sollen. Wenn auch „Mr. Albert Wolf," wie „Mr. Joseph Reinach" und andre seinesgleichen, ein in der Wolle gefärbter Franzose geworden ist, so wird er doch von Berlin her noch einiges Gefühl für deutsche Denk- und Ausdrucksweise übrig behalten haben, und würde daher seinen Kollegen gesagt haben, daß die Briefe unmöglich deutsch verfaßt sein können. Man greife eine beliebige Wendung heraus: Vn xvuxls brave, g'önürsux, poursuivi ä-rirs 8S8 libortös, ms xris, ms on^rxs et m'orÄoirus... Das .soll aus dem Deutschen übersetzt sein? Wem nicht das Sprachgefühl das Unsinnige einer solchen Behauptung sofort enthüllt, der braucht