Beitrag 
Die katholischen Studentenverbindungen.
Seite
469
Einzelbild herunterladen
 

vom deutschen Buchhandel.

469

er auf die irrenden Brüder herab und fühlt sich hoch erhaben über sie. Und doch sollten gerade in der Jugend solche Gegensätze ausgeglichen werden, der Katholik sollte den Protestanten achten und ehren lernen, und umgekehrt. Wie­viel Gelegenheit giebt es, wenn Katholiken und Protestanten friedlich mit einander verkehren, zum Austausch von Ansichten und Meinungen! Bei den Protestanten finden wir oft recht wunderliche Ansichten über das Wesen des Katholizismus, gerade eiu gläubiger Katholik könnte da Aufklärung schaffen und mehr nützen, als wenn er sich unnahbar gegen Andersgläubige abschließt. Oder fürchtet man viel­leicht, daß der katholische Student im Verkehr mit Protestanten Schiffbruch am Glauben leiden oder schlaffer in der Erfüllung seiner religiösen Pflichten werden könnte? Das wäre ja ein trauriges Armutszeugnis für die katholische Kirche. Im spätern Leben kann er doch nur in den seltensten Fällen diese ausschließliche Stellung beibehalten, da ist er auch auf den Verkehr mit Protestanten angewiesen.

Welchen Zweck haben also schließlich die katholischen Studentenverbindungen, weshalb werden sie von der Presse und der Geistlichkeit so warm empfohlen? Die Antwort hat uns der Zentrumsführer Windthorst in einer Rede, die er bei Gelegenheit einer Versammlung katholischer Verbindungsstudenten gehalten hat, gegeben. Die katholischen Verbindungen sollen die Pflanzstätten künftiger Zentrumsmänner sein. Ihr Zweck ist, die jungen Leute in der wichtigsten Pe­riode ihrer geistigen Entwicklung uuter steter Überwachung durch die ultra­montane Geistlichkeit zu halten, sie in festen Vereinen von jeder Berührung mit anders denkenden Genossen und Kreisen abzuschließen, um sie zu willfährigen Werkzeugen ultramontaner Bestrebungen zu erziehen. Das Ergebnis unsrer Be­trachtungen ist, daß man das Bestehen solcher Verbindungen mit Rücksicht auf das Wohl des großen Vaterlandes nur beklagen kann.

Vom deutschen Buchhandel.

s ist für unsre Zeit charakteristisch, daß sie, trotz der Neigung, sich das Gut der Freiheit auf allen Gebieten anzueigneil, sich dennoch der Grenzen dieser Freiheit mehr und mehr bewußt wird, die in dem Gegensatze der Gesamtheit und des Einzelnen be­gründet sind. Die Freiheit des Einzelnen soll an dem Punkte enden, wo sie das Wohl der Gesamtheit verletzt. Aus diesem Gesichtspunkte ist auch die jüngst zu einem gewissen Abschluß gekommene Bewegung im deutschen Buchhandel zu betrachten, welche die Aufrechterhaltung des Ladenpreises der