Die deutschen Kolonisationsbestrebungen in Gstafrika.
von Harry Denicke.
^eM..^ I
"VÄ?»^^
Ws 'M
nsre Erfolge von 1870 und 71 waren so plötzlich, blendend und tiefgreifend zugleich, daß die Welt geraume Zeit brauchte, um sich in die umgewandelten europäischen Staatenverhältnisse einigermaßen zu finden. Insbesondre ließ sich England durch diesen plötzlichen weltpolitischen Stellungswechsel unsers Staates nicht genug warueu, um auch auf andern Gebieten ein gleich rasches und sieghaftes Hervorbrechen unsrer so lauge schlummernden Kräfte zu gewärtigen. So geschah es den», daß wir Euglcmd abermals mit einem neuen erfolgreichen Schritt zn künftiger Größe, mit der Grundlegnng einer kolonialen Machtstellung überrumpelten. Ju diesem Falle hat sich sein kaufmännischer Instinkt, sonst so ängstlich, nicht gerade als prophetisch erwiesen. Sonst würde es uns, wie seine unerwartete Aneignung des Niger-Binnegebietes nnr zu deutlich zeigt, auch an den anderu Punkten unsrer ersten kolonialen Versuche zuvorgekommen sein. Gewiß hatten auch wir das harte und doch gute Recht jedes Kulturvolkes, Zuzugreifen, wo sich noch ein Stück wilden Landes auf dem Erdenrunde darbot, aber ein überliefertes Recht hatten wir nicht. Anderseits hatte England gewiß kein sittliches, geschweige ein politisches Recht, die noch unzivilisirte Welt für sich allein in Anspruch zu nehmen: aber ein Gewohnheitsrecht hatte es zu derlei Anmaßung doch. Und dies bedeutet im Leben der Völker doch anch Macht. Allein England hat nach ebenso schwächlichen und thörichten als begreiflichen Fehlversuchen heimlichen und offnen Widerstandes in allem wesentlichen klein beigeben müssen. Gegen 50 000 Quadratmeilen und damit wohl den wertvollsten Anteil an all den Erdstrichen, deren Erwerbung durch eine zivilisirte Grcnzboten IV. 1887. 45