Die Aussteuerversicherung.
ehrer, Beamte, überhaupt ihr alle, die ihr ein festes jährliches Einkommen bezieht, wie werdet ihr nicht oft von der übrigen Menschheit beneidet um die friedliche Ruhe, mit der euer Leben dahinfließt! Ihr kennt nicht die fieberhafte Hast, mit der die übrigen Sterblichen nach dem Glücke rennen und jagen. Und doch wißt auch ihr recht gut, wo euch der Schuh drückt, zumal wenn ihr ohne Vermögen seid. Eure Sorgen sind eure Kinder. Freilich, so lange diese kleiu sind und keine großen Ansprüche machen, braucht euch nicht bange zu werden, und wenn ihr ench auch manchmal einschränken müßt und es knapp bei euch hergeht, satt macht ihr sie schon noch alle, und das Schulgeld fällt auch für sie ab, und dazu auch uoch manches andre, was zu ihrer weitern Ausbildung und zu ihrem Vergnügen dient.
Aber wenn sie größer werden, wenn die Söhne studiren, wenn die Töchter heiraten sollen? Euer Einkommen hat sich zwar inzwischen etwas vermehrt, das ist wahr, aber in viel höherm Maße eure Bedürfnisse. Das kennt man ja, und wenn man sich fragt, wann euer Geld besser gereicht habe, jetzt, wo ihr eineu Direktorialgehalt bezieht, oder vor achtzehn Jahren, wo ihr als blutjunger Assessor oder Hilfslehrer mit eurer jungen Frau euern Einzug in das neugeschaffene Heim gehalten hattet, um die Antwort werdet ihr wohl nicht verlegen sein. Kein Zweifel: die Sorge umschleicht euch oft, euer Gehalt reicht immer gerade nur für den augenblicklichen Bedarf, und doch werdet ihr später für eure Kinder Kapitalien bedürfen, und ihr wißt nicht, wo sie dann hernehmen.
Siehe da, eines Tages, gerade als sich eure Gedanken wieder mit diesen Zukunftsbildern beschäftigt haben, läßt sich ein Herr bei euch melden, cme stattliche Erscheinung iu tadellosem Gesellschaftsanzug, mit Cylinder und hellen Handschuhen, um den Mund ein süßes Lächeln. Ihr kennt den Herrn nicht, ihr seht ihn verwundert an, aber da fließen auch schon die Worte wie Honig von seinen Lippen. Und merkwürdig! Er, der euch ganz fremd ist, beginnt sogleich von der Erhabenheit seines Berufs zu reden, von eurer moralischen Verpflichtung, für das spätere Wohlergehen eurer Kinder zu sorgen, von den Gewissensbissen der Eltern, die gern noch sorgen möchten, wenn es zu spät ^- Ihr seid wohlerzogen und laßt den fremden Herrn reden. Und siehe, je länger er redet, umso freundlicher werden eure Mienen, umso mehr glätten sich ^e Falten des Unwillens auf eurer Stirn — noch ein Weilchen, und es spielt sogar ein Lächeln um eure Mundwinkel, und ein leises Nicken des Kopfes läßt keinen Zweifel mehr, daß das Eis bei euch gebrochen ist.
Wodurch ist dem fremden Herrn dies Kunststück gelungen? Wie hat er so