politische Zustände und Aussichten in Frankreich.
i.
er in diesen Tagen erfolgte Znsammentritt der gesetzgebenden Körperschaften in Frankreich giebt uns Veranlassung, wieder einmal diesem Nachbarlande unsre Blicke zuzuwenden und auf Grund einer Rück- und Umschau den Versuch zur Beantwortung einer Frage zu unternehmen, die uns von allen auswärtigen Fragen zunächst am Herzen liegt. Es ist kein Zweifel, daß die Franzosen nns den Krieg erklären werden, um für die Niederlagen und Verluste der Jahre 1870 und 1871 Rache zu nehmen, sobald sie können. Das eigentliche Volk zwar, die Bauern und die Bewohner der kleinen Städte, steht einem solchen Abenteuer vsfcnbar größtenteils gleichgiltig vder abgeneigt gegenüber; aber eine Partei, die, was ihr an Zahl fehlt, durch Rührigkeit und Dreistigkeit ersetzt, und die dadurch einen Einfluß gewonnen hat, der viele Leute und namentlich alle Streber veranlaßt, auf sie Rücksicht zu nehmen und sich ihr mehr oder minder anzuschließen, drängt mit allen Mitteln zu möglichst baldigem Angriff auf Deutschland, und es ist nicht undenkbar, daß sie ihre Absicht einmal durchsetzt. Zweifelhaft ist nur, ob die, auf welche es zuletzt ankommt, sich so bald überzeugen ^sscn werden, daß man das, was man will, auch mit einiger Aussicht auf ^folg zu wagen imstande sei. Die gegenwärtige Negierung ist augenscheinlich zu dem Abenteuer nicht zu haben. Aber der Parlamentarismus, dieser Saturn, der schon so viele seiner Kinder gefressen hat, kann über kurz oder laug dem jetzigen Ministerium ein Ende machen und einem radikalen das Leben geben, welches Herrn Bvulanger wieder ins Amt berufen könnte, der hier wenigstens
Grenzboten IV. 1L37. 82