Eine Fahrt in den Grient.
von Adam von Festenberg. (Fortsetzung.) ö.'Brussa.
ine Einschiffung oder Landung läßt sich in Kvnstcmtinvpel ohne fremde Hilfe nur mit Mühe bewerkstelligen, zumal da der Dampfer für die Umgebung und für das Innere Asiens von rein türkischer Mannschaft bedient wird. Unser braver Dragoman, der ein Dutzend lebender Sprachen zur Verfügung hat, holte uns schon zeitig von dem Hotel ab und wußte uns mit Geschick durch alle Faßlichkeiten an den Bord des Brussaschiffes zu bringen. Es ist ein ehemaliger Flußdampfer der Donaugesellschaft, welcher der türkischen Regierung als seetüchtig von irgend einem nicht skrupulösen Verkäufer aufgehängt worden ist, aber für eine Seefahrt durchaus ungeeignet ist. Obgleich das Meer verhältnismäßig ruhig war, schwankte das Schiff aufs heftigste und rief bald bei einer Anzahl von Passagieren Seekrankheit hervor. Da wir diesem Übel entgingen, so konnten wir uns an aller Herrlichkeit, die uns geboten wurde, ungetrübt erfreuen. Das Schiff war dicht besetzt, und da sich nur wenige Europäer darauf befanden, so überwogen die malerischen Trachten des Orients. Die von Religions wegen gebotene Abgeschlossenheit der Frauen bringt es mit sich, daß auch auf den Fahrzeugen ein besondres Haremlik für sie eingerichtet ist, das kein Mann betreten darf und in dem sich diese armen Geschöpfe, welche keine andre Lage kennen, unbewußter Heiterkeit hingeben. Die Sonne strahlte, das Meer blaute, und das große Häusermeer, aus welchem ein Wald von schlanken Minarets hervorragte, erglänzte unter diesem heitern Himmel und ließ vergessen, wie fürchterlich das Innere ist. Wir konnten aber auch schon die Frucht unsrer gestrigen