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Die soziale Frage im Reichslande. 3.
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T>ie soziale Frage im Reichslande»

3.

chon seit Jahren sucht die katholische Kirche so wie anderwärts auch im Elsaß die soziale Frage in ihrer Weise zu lösen, wobei sie mehr das moralische als das wirtschaftliche Gebiet ins Auge faßt nnd nach der Ansicht arbeitet: Wenn eine klerikale Erziehung allen Menschen den Geist christlicher Nächstenliebe eingeflößt hat, so muß der Kampf der Klassen aufhören. Not und Armut werden allerdings dadurch nicht aus der Welt geschafft, das wird aber auch nicht angestrebt; denn diese Prüfungen erziehen für den Himmel und geben anderseits den mit irdischem Glücke gesegneten Gelegenheit, sich durch Liebeswerke die Seligkeit zu verdienen. Die Mittel zu jenem Zmecke sind für die Kinder die konfessionelle Schule, für die Erwachsenen ein System von Vereinen, welche von Geistlichen geleitet werden. Die Schule zerfällt in Kindergärten lWllW ä'asM), in welchen die Kleinen vom dritten bis zum sechsten Lebensjahre von Nonnen beaufsichtigt und zugleich in den Anfangsgründen der Religion und der biblischen Geschichte unterrichtet und im Singen geistlicher Lieder geübt, sowie durch Erzählungen moralischer Geschichtchen beeinflußt werden. Solcher Anstalten gab es 1884 bereits eine ziemlich große Anzahl, doch wurden sie nur zur kleinern Hälfte von Nonnen geleitet: neunundachtzig weltliche und fünfundsiebzig geistliche Lehrerinnen be­schäftigten sich hier mit 12 770 Kindern. Auf den Kindergarten folgt die Volks­schule, die in öffentliche und private Anstalten zerfällt; in den lctztern liegt der Unterricht der Mädchen fast ausschließlich in geistlichen Händen, wogegen von den erstem nur zwei Drittel geistliche Mädchenlehrerinnen haben und der Unterricht der Knaben vom Ideale der Klerikalen noch weiter entfernt ist. Für die der Schule entwachsenen Knaben ist der Jünglingsverein und für die Mädchen der Verein der Marienkinder gegründet, die in Mülhausen beide sehr gut ge­diehen sind, und von welchen der erstgenannte vorzugsweise jugendliche Arbeiter zu Mitgliedern zählt. Der Jünglingsverein hatte 1872 erst hundertundfünfzig und 1883 schon über sechshundert Mitglieder. In mehrere Sektionen für Turnen, Gesang, Instrumentalmusik u. dergl. geteilt und mit Abendkursen für Buchhaltung, Englisch u. dergl. ausgestattet, besitzt er ein schönes Vereinshaus, in welchem alle vierzehn Tage theatralische Aufführungen stattfinden, und ans dem Rebberge einen Sommergarten. Der Verein der Marienkinder, der einen mehr kirchlichen Charakter trägt, zählt jetzt zwischen 1500 und 1600 Mitglieder. Hat ein Jüngling ein Marienkind geheiratet, so pflegt er der Männer-, sie der