Aus den hinterlassenen papieren
eines preußischen Staatsministers.
Mitgeteilt von Gerhard von Amyntor.
er Mann, aus dessen Aufzeichnungen das hier folgende Bruchstück mitgeteilt wird, ruht schon in kühler Erde. Er ist lange Zeit preußischer Staatsminister gewesen. Ein alter pommerscher Aristokrat im besten Sinne des Wortes, hielt er es stets mit der politischen Rechten und erwartete nur von ihr das Heil des Vaterlandes. Wer objektiv genug ist, zu begreifen, daß allen Bäumen nicht ein und dieselbe Rinde wachsen kann, wird, auch wenn er von einer andern politischen Überzeugung geleitet wird, doch nicht ohne Interesse auf diese Aufzeichnungen blicken, deren Verfasser jedenfalls von edelstem Streben beseelt und jederzeit bemüht war, den Aufgaben seines schwierigen und verantwortungsvollen Amtes mit der Gewissenhaftigkeit eines deutschen Mannes von echtem Schrot und Korn gerecht zu werden. Wie ernst er es mit seiner einstigen Stellung als Landrat nahm (er war, als er zur Paulskirche abgeordnet wurde, Landrat des L.schen Kreises), mag folgende schriftliche Äußerung von ihm bezeigen: „Bei der Verwaltung des Kreises gewahrte ich sehr bald, daß es bei einem Landrat weit mehr auf einen ehrlichen und festen Charakter, als auf ein hohes Maß positiver Gelehrsamkeit ankomme. Ohne Scheu und ohne Rücksicht das Schlechte offen verdammen, das Gute unterstützen, ohne Ansehen der Person Unparteilichkeit und Gerechtigkeit üben, gegen alle Eingesessenen ohne Ermüdung bei Tage wie bei Nacht gefällig sein, die Not der Nebenmenschen immer viel höher anschlagen als die eigne Lage, mit ihnen gemeinsam um Regen und Sonnenschein bitten, mit ihnen leben und sorgen und, wenn es gilt, auch gelegentlich esfen, trinken und jagen, im gesellschaftlichen Verkehr immer erhorchen, wo den einzelnen der Schuh drückt, und ihm dann beibringen, das aber, was man einmal für