Die Bedeutung des Religionsunterrichts in den oberen Klassen des Gymnasiums. 4gZ
soziale Frage und die Neuordnung der Erwerbsverhältnisse gethan hat, sich in Übereinstimmung mit den geschichtlichen Grundlagen befindet, wie sie in objektiver Würdigung von Ranke erkannt worden sind.
Die Bedeutung des Religionsunterrichts
in den oberen Klassen des Gymnasiums.
ie Aufgabe, über die Bedeutung des Religiousuuterrichts in den oberen Klassen des Gymnasiums zu sprechen, ist, wenn doch eine bestimmte Klasscngrenze festzustellen ist, dahin z» verstehen, daß dieser Unterricht in seiner Bedeutung für die Klassen von Ober- sekunda an ins Auge zu fassen ist. Bis zur Untersekunda einschließlich ist die Bedeutung des Religionsunterrichts für das Gymnasium dieselbe, wie in allen Schulen ohne Ausnahme, wenigstens im wesentlichen, nämlich die Einpflanzung der elementaren Gruudlehren der christlichen Religion in die Seele der heranwachsenden, kirchlich noch unmündigen Glieder der Gemeinde. Dieser Unterricht erhält mit der Konfirmation seinen Abschluß. In unsern Gymnasien geht aber der Religionsunterricht fort, und so ist es von selbst verständlich, daß er entsprechend dem höheren Bilduugsstande der oberen Klassen sich in seinem Unterrichtsstoffe erweitere uud nach seiner Methode vertiefe. Wie diese Erweiterung und Vertiefung stattzufinden habe, das ist als eine Frage von technisch-schulmäßiger Art für die vorliegende Betrachtung auszuschließen; hier handelt es sich nur um die Bedeutung eines solchen erweiterten und vertieften Unterrichts.
Da liegt denn nuu die Frage so: Hat der Religionsunterricht in den höheren Klassen des Gymnasiums eine Bedeutung, und welche hat er? Denn es sind auch Stimmen genug dahin laut geworden, daß dieser Unterricht ohne Bedeutung für das Gymnasium uud darum als überflüssig zu betrachten sei. Also, hat er eine Bedeutung, und welche? Und da kommen wir freilich, nm das gleich im Anfange zu sagen, zu einem ganz andern Ergebnis, als die Gegner dieses Unterrichts.
Denn wenn es wahr ist, was Goethe einmal sagte, daß Frömmigkeit zu allen Zeiten das Mittel gewesen sei, nm durch die rciuste Gemütsruhe zur höchsten Kultur zu gelangen, und wenn wiederum die Religiouslehre keinen