Aus einem Kriegstagebuche.
Saarbrücken, 12. Juli 1870.
ie Stimmung der so Pcitriotischen Bürgerschaft ist seit dem 7. Juli doch bedrückt; nach den Äußerungen Gramonts in der französischen Kammer hält man den Krieg fast für unvermeidlich, und wir hier kennen die Franzosen und ihre kriegerische Anlage aus nächster Nähe. Wenn man nach Metz kommt, sieht man gleich an der äußern Erscheinung der französischen Wachtposten, daß sie sich alle als Herren der Welt betrachten. Es wird ein schwerer Krieg werden, so sagen wir uns alle, wenn wir uns am Abend im alten Kasinogarten von der Hitze des Tages erholen. Aber es bricht doch immer die Zuversicht durch, daß, wenn wir auch in den ersten Treffen besiegt werden sollten, es doch zuletzt gut gehen wird. Wir verdanken doch dem Jahre 1866 viel von diesem Vertrauen auf den schließlichen Sieg.
Saarbrücken, 20. Juli. Der Telegraph hat uns gewiß gemacht, daß die Kriegserklärung in Berlin übergeben ist. Wir gehen jetzt täglich auf die Höhe am alten Exerzierplatz und beschauen von dort über das herrliche Thal hinweg die Spicherer Berge, wo sich die Franzosen allmählich sammeln. Dicht bei dem AbHange nach Südwesten, wo hohe Pappeln den Exerzierplatz von der Landstraße aus begrenzen, haben unsre Ulanen ihre Wache, und Jnfanteriepatronillen von den Vierzigern sind rührig und streifen durch Flur und Dorf bis dicht an die Grenze bei St. Arnual, der goldnen Bremme und Schönecken. Die schnelle Bewegung unsrer Posten hat den Vierzigern schon den Namen xisäs äs cliabls verschafft. Auch die Franzosen sieht man in steter Bewegung. Am Wirtshaus an der goldnen Bremme reiten die oll^sssurs Z. ollsvs,! unruhig hin und her. Von der Spicherer Höhe entsendet von Zeit zu Zeit ein Chassepot seine Kugel auf die preußischen Patrouillen. Unsre Leute sind doch erstaunt über die ungeheure Tragkraft der