Beitrag 
Dichterfreundinnen : 3. Die Titanide :
(Fortsetzung.)
Seite
229
Einzelbild herunterladen
 

Klagen eines Zeitungsschreibers,

229

so mußte es ihr ergchen. Aber während Frau von Stein ihrem Grolle in kleinlichen Angriffen auf den Ungetreuen Luft machte, entweihte Fran von Kalb ihre Trauer nie durch Klage und Verleumdung. Sie wollte größer sein als ihr Schicksal. Und nachdem sie den furchtbaren Schlag ganz überwunden hatte, bot sie Schiller mit unumwölkter Stirn selbst die Hand zu einem neuen Bunde gegenseitiger Achtung und Anfmerksamkeit. Im Mai 1793 bat sie brieflich den alten Freund, ihr einen Hauslehrer für ihren Fritz zu empfehlen. Schiller antwortete sichtlich erfrcnt in freundschaftlich entgegenkommender Weise und er­füllte ihre Bitte. So war denn das Unrecht auf beiden Seiten gesühnt, die Verständigung auf einem höheren Gebiete des Lebens angebahnt, und der herz­liche Verkehr wurde bis zu Schillers Tode nicht wieder unterbrochen. Wohl blieb Schiller anfangs gern auf dem neutralen Boden eines höflichen Verkehrs mit ihr, weil er ihrer Reizbarkeit, ihrem exzentrischen Gebahren nicht recht traute; aber uachdem er sich davon überzeugt hatte, daß sie immer ruhiger wurde, redete er sie wieder mit dem alten, traulichenCharlotte" an, und mit der Herzogin Anmlie zusammen hob sie seinen zweiten Sohn Ernst aus der Taufe. Als er 1799 nach Weimar übersiedelte, bezog er das Haus, welches sie auf­geben mußte, weil es für sie zu groß war, und sie überließ ihm einen Teil ihrer Einrichtung. (Schluß folgt.)

Klagen eines Zeitungsschreibers.

ZWW

^SM>

lagen der Schriftsteller sind schon oft und viel vernommen worden, über zu geringe Einnahmen, über Schädigung ihrer Rechte in der einen oder andern Weise. Wenn man aber von der Gesetz­gebung besseren Schutz dieser Rechte verlangt, so ist doch klar, daß die eigentliche Ursache des Übels, das Überwiegen des An­gebots über die Nachfrage, ans diesem Wege nicht gehoben werden kann.

Und von der andern Seite wird dieser Klage alle Berechtigung abge­sprochen. Ein unzufriedenes Geschlecht, diese Literaten, heißt es. denn wer hätte wohl größere Einnahmen aufzuzeigen als mancher Schriftsteller? Die Wahrheit nun ist, wie auch zur Genüge bekannt sein dürfte, daß, wenn überhaupt von einer Ungerechtigkeit des lesenden Publikums gegen die Schriftsteller die Rede sein kann, hauptsächlich die gediegenere und wertvollere schriftstellerische Produktion hiervon betroffen wird, da das Publikum seine Auswahl keineswegs de,n innern Wert der Literaturerzeugnisse entsprechend trifft. Und man kann im allgemeinen wohl behaupten, daß der Lohn schriftstellerischer Arbeit (soweit er aus dem Lesebedürfnis des Publikums erwächst) steigt im ungekehrten Vcr-