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Belgien und die sozialpolitische Frage.
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Belgien und die sozialpolitische Frage.

clgien ist bekanntermaßen das Ideal der Liberalen, soweit sie Doktrinäre sind, die Verwirklichung ihrer Wünsche auf verfassungs­mäßigem Gebiete, der Musterstaat des Parlamentarismus, der alleinseligmachenden Form des politischen Lebens, die sich, wenn man den Herren glauben darf, überall bewähren muß. Schade nur, daß die Erfahrung die letztere Behauptung bis jetzt nicht bestätigt hat, daß sie seit einiger Zeit selbst am lebendige Thatsache gewordenen Ideale, am Muster, zweifeln läßt, und daß hier gerade in Betreff der wichtigsten Frage des innern politischen Lebens, wie man zu sagen pflegt, guter Rat teuer ist. In Öster­reich verewigt der Parlamentarismus den Streit der Nationalitäten, in Frankreich läßt er keine Negierung mit Aussicht auf Dauer aufkommen, in Belgien zeigte er sich bisher ganz und gar unfähig, die soziale Frage auch nur annähernd zu lösen, die in dem stark bevölkerten Fabriklande von solcher Bedeutung ist, daß sie, wenn den betreffenden Übelständen nicht bald abgeholfen wird, mit einer Katastrophe endigen muß. Weder die jetzt am Ruder stehende Partei noch die gegenwärtig in der Minderheit befindliche und folglich Opposition machende wußte einen Ausweg aus der Not und Verlegenheit zu finden, und ebenso wenig war dazu die katholische Kirche imstande, die nach wiederholter Ver­sicherung unsrer Ultrmnvntanen im Reichstage allein die Kraft besitzt, der sozialen Revolution in ihrer Entwicklung Halt zu gebieten.

Die Arbciterunruhen, welche im März vorigen Jahres begannen und nach einer mehrmonatlichen Pause im jetzigen von neuem ausbrachen, hatten ihren Grund zunächst in der Bedrückung und Ausbeutung der arbeitenden Klassen durch die Kapitalisten, welche sie beschäftigten, und in Aufreizungen jener Klassen Grenzboten III. 1887. 8