Kleinere Mitteilungen.
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Kopf gesetzt hat, worauf er Anspruch zu haben glaubt, das fordert er ein mit nnnachsichtlichcr Strenge. An seinen Prediger aber, der ihm ja Führer nnd Wegweiser znm Himmel sein soll, legt er einen ganz besondern Maßstab. Von ihm verlangt er zu jeder Stunde Worte des Heils, des Trostes, der Labe für seine Seele, und wer ihm diese zu gebeu sich weigern oder sich mit Mangel an Zeit etwa entschuldigen wollte, der würde seine Achtung für immer verlieren.
Meinem Vater lag es als alleinigem Pfarrer des sehr weitläufig gebauten und volkreichen Dorfes'vb, allsonntäglich Jahr für Jahr vormittags zu predigen, nachmittags aber Kinderlehre in der Kirche zn halten. Ebenso fiel ans jeden Sonnabend in der Woche eine Beichtrede, da es in meiner Jugend üblich war, daß jeder Erwachsene mindestens viermal im Jahre zum Abendmahle ging. An den drei hohen Festen wurden damals noch drei Feiertage hintereinander gehalten, die jedesmal sünf Predigten erforderten, da an den zwei ersten „hehren Tagen" vor- und nachmittags gepredigt werden mußte. Jede Woche waren auch zwei Betstunden, früh von sieben bis acht im Sommer, von acht bis neun im Winter, abzuhalten, zn denen freilich außer wenigen alten Leuten nur die Schulkinder sich einfanden. Außerdem gab es noch eine ziemliche Anzahl Marientage, die damals noch kirchlich durch Gesang und Predigt gefeiert wurden. Endlich lag es dem Vater noch ob, bei jedem Begräbnis — ausgenommen blieb nur die sogenannte „stille Abdankung" bei ganz kleinen Kindern — entweder am Grabe eine Rede oder in der Kirche eine ordentliche Leichcnpredigt zu halten, der sich die Verlesung deS LebeuslanfcS anschloß, dessen Abfassung cbenfals dem Pastor zufiel. Die Zahl dieser Leichenpredigten nnd Grabreden belief sich im Jahre immerhin ans siebzig bis achtzig, nnd jede mußte den Verhältnissen des Verstorbenen genau angepaßt sein, wenn die trauernde Verwandtschaft befriedigt werden sollte. Erwähne ich endlich noch die Verlobungs- nnd Trauredcu, die ja auch für jedes Brautpaar besonders zn gestalten waren, sowie der häufig vorkommenden Privatkommnnionen bei Alten und Kranken, so wird man gern zugeben, daß Landgeistliche in bevölkerten Ortschaften, wenn sie es mit ihrem Berufe ernst nnd ehrlich meinten und ihrem Gewissen genügen wollten, geistige Arbeit vollauf hatten, die Hände also wahrlich nicht' in den Schoß legen konnten. (Schluß folgt.)
Kleinere Mitteilungen.
Die neue preußische Prüfungsordnung. Es giebt immer noch Leute, welche sich Preußen als das Land des Schematismus und Bürokratismus vorstellen. Wer die „Ordnung der Prüfung für das Lehramt an höhern Schulen vom 5. Februar 1887," die im Oktober dieses Jahres an die Stelle des „Reglements" vom 12. Dezember 1866 treten wird, aufmerksam mustert und aufrichtig abschätzt, wird darin vielmehr einen neuen Beweis erblicken, daß man in Preußen, allen grundstürzcuden Neuerungen abhold, doch einem unablässigen und nach allen Folgen erwogenen Vorwärtsschreiten huldigt.*)
Das Ministerium hat dabei wesentliche Unterstützung gesucht und gefunden durch die Gutachten der wissenschaftlichen Prüfungskommissionen und Proviuzial- schulkollegien, sowie einzelner außerhalb dieser Kreise stehenden Schulmänner.
Eine „Ordnung" an du' Stelle eines „Reglements" — auch ein erfreulicher Fortschritt — trotz Riimclin. D. Red.