Beitrag 
Kleinere Mitteilungen.
Seite
559
Einzelbild herunterladen
 

Literatur.

559

dem einen Oratorium fertig ist, kann man das nächste anfangen. Hübsche, lange nicht dagewesene Stvffe sind: Niobe, Theseus, Cvdrus, Cyrus, Xerxes, Roxanc, Ro- mulns und Remus, Belisar, Albviu nnd Nvsnmuude, Solimnn n. f. w. Auch Thyrsis und Phhllis könnten znr Abwechslung wieder einmal drankommen. Wie wäre es, Herr Bruch? Namentlich akademische Gesangvereine sind für solche Par­tituren äußerst dankbar.

Wenn man bedenkt, wieviel Zeit es dem Komponisten gekostet hat, nur die Noten, die bloßen Noten dieser dicken Partitur hinzuschreiben, wieviel Geld eS gekostet hat, diese Partitur zu stecheu, wieviel Mühe es kostet, diese Partitur eiu^ zustudiren, wieviel Kräfte Orchester- nnd Chorkräfte dazn in Bewegung gesetzt werden müssen, welche Zumutung es endlich für den Zuhörer ist, drei volle Stunden laug solche Musik mit anzuhören, uud nnn voraussieht, daß in fünf Jahren, ach, was fuge ich daß übers Jahr nach diesemAchilleus" kein Mensch mehr fragen wird, ist dns nicht recht betrübend? Wie viele junge Leute giebt es heutzutage, die iu ihrem Leben noch nie einen Takt ans derSchöpfung" oder deuJahreszeiten" Haydns gehört haben! Wie würden sie stauneu, weuu sie das eiumal höreu köuuten, stauueu, daß solche Musik auf Erden ist! Und da langweilt man sie mit diesemAchilleus," und die Aermsteu geheu uach Hause nnd denken, sie hätten wunder was gehört!

Zufällig genoß ich einen Abend später, nachdem ich denAchilleus" geuosseu hatte, zum ersten (nnd letzten) male deu NeßlerschcnTrumpeter." Ich hatte eigentlich ein Gelübde gethan, das Blasen dieses Trompeters mir niemals anzuhören, selbst weuu ich das Billet geschenkt bekäme, weil mir alle derartige Thenterverarbei- tnngen guter Dichterwerke herzlich zuwider siud. Nun bekam ich es doch geschenkt, und ich gestehe es offen: die Aussicht auf die Parallele Bruch-Neßler verlockte mich, mein Gelübde zu brechen. Uud wie ich mir's dachte, so war es: auch derTrompeter" ist die richtige Kapellmeistermnsik, nur mit dem Unterschiede, daß sie hier ganz an­spruchslos auftritt, garnichts weiter sein will, als was sie ist, dort aber sich wichtig macht uud eine vornehme klassische Miene aufsteckt.Macheuschaft" ist alles.

Kleine Schriften zur Geschichte uud Kultur von Ferdina ud Gregorovi us. Erster Band. Leipzig, F. A. Brockhnus, 1887.

Zu deu wenige« lebenden deutschen Schriftstellern, die nach eigenstem inneren Antrieb ihren besondern Weg gegangen sind und sich dennoch eiu großes Pu­blikum erobert haben, gehört auch der Verfasser derGeschichte der Stadt Rom in: Mittetcüter," Ferdinand Gregvrvvins. Wir haben bei den verschiedensten Anlässen seiner unermüdlich fortgesetzten Thätigkeit gedacht, und so oft ihrer zu gedenken war, hatten wir auch Anlaß, uns der seltnen Vereinigung von Gaben uud Vor­zügen, die in den historischen und schildernden größer» uud kleinern Werken des Schriftstellers zn Tage treten, zu erfreuen. Gregorovius hat in nahezu allen seinen Arbeiten den Ernst und die Gründlichkeit des Forschers erwiesen, eine unabsehbare Reihe von wichtigen Thatsachen zur Geschichte Italiens und namentlich Roms sind

Literatur.