Die Literatur und das verbrechen.
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Wütenden Geschreies und der maßlosen Verdächtigungen durch einen Teil der radikalen Presse musz dieser Ausspruch auch heute noch als zutreffend bezeichnet werden, so erfreulich auch die Wahrnehmung ist, daß seit acht bis zehn Jahren die Zahl derjenigen sich bedeutend vermehrt hat, welche glauben, der Zunahme der Nohheitsverbrechen durch Verschärfung des Strafvollzuges entgegentreten zu müssen. Nur durch rücksichtsloses Vorgehen in den drei im Vorstehenden bezeichneten Richtungen läßt sich die Verbreitung der Körperverletzungen zurückdämmen; kann sich der deutsche Staat und die deutsche Justiz nicht bald hierzu aufraffen, dann werden wir noch Erfahrungen machen, die selbst den radikalsten der Radikalen nicht gefallen würden.
Es ist wahrlich Zeit, daß die Justiz sich von der Herrschaft der schönen Phrasen, die von Humanität und Sentimentalität triefen, befreie und der Verbrecherhorde gegenüber die volle Schärfe zur Anwendung bringe. Nicht ohne Zögern hat der Gesetzgeber seinerzeit die geringsten Sätze der Strafen so weit heruntergesetzt; er that dies im Vertrauen darauf, daß der Richter die Fälle schon finden werde, in denen es weder der Gerechtigkeit noch dem öffentlichen Wohle entspricht, von ihnen Gebrauch zu machen. Sollte er sich hierin geirrt haben, sollte dieses Vertrauen unberechtigt gewesen sein und sollte es notwendig werden, den dem freien richterlichen Ermesfen gelassenen Spielraum einzuengen?
Mainz. Ludwig Luld.
Die Literatur und das Verbrechen.
m Zeitalter des Naturalismus in der Literatur, iu dem die trene Schilderung der Wirklichkeit ein Schlagwort gewordeu ist, iu dem das Leben jeden einzelnen Federstrich des dichterischen Werkes diltiren soll, ist es eine interessante Frage, ob nicht umgekehrt die Literatur das Leben beeinflusse, die Phantasie der Dichter den Lesern die Antriebe zu ihren Handlungen eingebe, und ob nicht vielleicht die Wirklichkeit ebenso sehr ein Spiegelbild der Literatur wie die Literatur eiue Nachahmung der Wirklichkeit sei.
Jedenfalls ist die Klage über die verderbliche Einwirkung mancher Lektüre alt. Und sie hat sich nicht immer allein auf die schlechte Tageswaare beschränkt: auf die nervenreizenden Schauergeschichten, die seichten Darstellungen lüsterner Vorgänge, auf die überspannten Fraucnzimmerromcmc, durch welche, wie Max Nordau in seinen „Paradoxen" zu beweisen sucht, unsrer Jugend