Beitrag 
Französische Charakterköpfe : 1. Hippolyte Taine :
(Schluß.)
Seite
376
Einzelbild herunterladen
 

376

langen Wallungen, welche steigen und sinken und ihre weiche Helle verbreiten. In Negenbogenfarben prangende Diamanten, springende Perlen schimmern in ihren Vertiefungen und der spitzcnartig gezackte Schaum ihres Randes giebt der See, wie eine Einfassung aus mattem Silber, einen dnrchbrvchenen Rahmen, der sich wellig im nächtlichen Spiegel krümmt."

Es dürfte schwer fallen, in diesen Zeilen den Verfasser der Geschichte der Revolution wieder zu crkeuuen.

Taine ist jedenfalls ein origineller Geist, und die Verfolgnngcn, denen er ausgesetzt war, haben wahrscheinlich mir dazu beigetragen, seine Originalität weiter zu entwickeln. Die französische Akademie hat ihn, wie wir erzählt haben, seither in ihre Mitte berufen. Welches ihre Beweggründe gewesen sein mögen, ob die öffentliche Meinung eiueu Druck auf sie ausübte, ob sie unbefangener geworden ist, Tcuncs Verdienste besser zu würdigen gelernt hat, oder ob die ver­meintliche Tendenz seiues Geschichtswcrkes sie versöhnt hat, wollen wir hier nicht untersuchen. Schade ist es immerhin, daß die Auszeichnung der orlcanistisch gesinnten Körperschaft Tcn'nes Arbeit, statt zu fördern, bei gewissen Leuten in Mißkredit gebracht hat. Es gehört auderscits aber auch eine große Kurzsichtig­keit und ein geringes Verständnis für schriftstellerischen Stolz und wissenschaft­lichen Ernst dazu, einen Mann wie Taine gegenüber der gelehrte,, Koterie des Mazarinpcckastes schmeichelnder Gefälligkeit zn zeihen.

(Lin deutscher Maler in Rom.

(Schluß.)

as eigentliche innere Leben des jugendlichen, während seines römischen Jahrzehnts in die Manncsjahre hineinwachsenden Künstlers kommt in den Briefen an seine Familie zum Aus­druck. Daneben finden sich jedoch andre für den Einblick in das römisch-deutsche Kunsttreiben, in die Stimmungen uud Urteile jener Tage wichtige Briefe, von denen ein paar vereinzelte an Schnorrs Kunst- genvssen, den Maler Rehbcniz, an den wackern Kunstfreund und Knnftschrift- steller Fr. Nochlitz in Leipzig, die meisten aber an I. G. von Qucmdt gerichtet sind, jenen eigentümlichen nnd vor Zeiten so eiuflußreiche Mann, der nicht nur viel für Schnorrs änßere Förderung gethan hatte, sondern ihm auch innig be- sreundet worden war. Auch Quandt war Leipziger, Sohn eines reichen patri- zischen Hauses, war ursprünglich für den Kaufmannsstand bestimmt, aber durch