Literatur.
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Meinem Vater, dem es weder au Pastoralklugheit »och au Herz und Gemüt fehlte, gluckte es, das richtige Maß zu halten und den rechten Ton zu treffen. Er war freundlich gegen jedermann, sprach ebenso eingehend mit dem ärmsten Häusler wie mit dem stolzen Großbauer und wußte bei aller Herablassung doch immer die Würde nnd den Stand des Pastors zu wahren. So kam es, daß die umsnngrciche Gemeinde, die mein Vater volle fünfuudvicrzig Jahre laug als Prediger leitete, ihm bis zu seinem Tode i» vertrauender Liebe zugethan blieb. Wenige Einzelne mir machten davon eine Ausnahme, hüteten sich aber Wohl vor jeder Herausforderung, da zn einer solchen Vonseiten des Vaters niemals Anlaß gegeben wurde. (Fortsetzung folgt.)
Literatur.
Geschichte der französischen Literatur von den ältesten Zeiten bis zmn Ende des zweiten Kaiserreichs. Vvn Professur Dr. G. Bornhak, Berliu. Nieolaische Verlagsbuchhandlung, 1886.
Populäre Darstellungen ohne andern Zweck als den der Povnlarisirling einer Wissenschaft — bei keinem wirklichen Forscher sonderlich beliebt — pflegen ihm doch auf keinem Gebiete weniger zu behagen als auf dem der Literaturgeschichte. Natürlich; denn es giebt kein Gebiet, das dem allgemeinen Zugange so offen wäre als das seine, keines, das einer außerwifsenschnftlichen Behandlung weniger bedürftig wäre, keines, das bei einer unwissenschaftlichen mehr verlöre. Das Publikum ist andrer Ansicht, wie unausgesetzt neue Erscheinungen auf diesem Felde sogar mit wiederholten Allflagen beweisen. Denn dies wissenschaftliche Gebiet ist zugleich eins vvn denen, die dem Tagcslebcn zunächst liegen, nnd dasjenige, dessen Kenntnis bei jedem, der aus „Bildung" Anspruch macht, zunächst vorausgesetzt wird. Kein Wnnder, daß bei den bekannten gesellschaftlichen Eigenheiten der Menschen, möglichst viel scheinen zu wollen oder mit möglichst wenig möglichst viel auszurichten, auch hier der „billige Mann," d. h. derjenige, welcher für die geringste Geistesnnstrcngung das meiste bietet, den größten Zuspruch findet.
Es ist daher stets mit Frcnden zu begrüßen, wenn man bernfene Hände bei deni schwierigen und wenig dankbaren Werke findet, hier zu vermitteln, den wirklichen Geist der Wissenschaft in eine würdige und dabei allgemein gangbare Form zu bringen. Das vorliegende Werk erweitert rühmlichst den verhältnismäßig kleinen Kreis der hierher zu rechnenden Leistungen. Der Verfasser bietet auf der einen Seite in einem verhältnismäßig nicht zu starken Bande das gewaltige Material seines Themas nebst dem wissenschaftlicheil Apparat von SpezialWerken und Monographien in einer bisher auch in Frankreich nicht vorhandenen Vollständigkeit (mau könnte dort höchstens das in bedeutend kleinerem Rahmen gehaltene Werk von Demogcol etwa als Seitenstück aufführen), sodaß man hier wvhl von einem Ansätze zu dem vou deutschen Forschern schmerzlich vermißten „französischen Goedeke" sprechen kann. Auf der andern Seite liefert er dem stoff- und grmndlagebedürftigeu Neuling ans eine sehr bequeme Art nicht bloß eine bis ins Einzelnste gehende