Gin deutscher Maler in Rom.
m elften Gesänge des Pnrgatoriv hat der große Dichter der Göttlichen Komödie das uralte Lied von der Vergänglichkeit irdischen Ruhmes und von dem launenvollcn Wechsel namentlich des Künstlerrnhmes in die Unterredung Dantes mit dem Miniaturmaler Oderisi zusammengedrängt, und die wenigen ergreifenden Terzinen:
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enthalten ganze Kapitel der Geschichte der Kunst und der Geschichte des Geschmacks, der unberechenbaren Waudelbarteit der Neigungen und Abneigungen anch der Gebildeten. Wer, der 1862 in dem prächtigen Parke von Siebeueichen bei Meißen das große Künstlerfest mitfeierte, das zu Ehre» Julius Schnvrrs von Carolsfeld und der Vollendung seiner Bilderbibel veranstaltet wurde, Hütte voraussehe» können, daß es ein Vierteljahrhundert später eine weitverbreitete Anschauung geben würde, nach welcher der Schöpfer der Bilderbibel und der Münchener Nibelungenfresken überhaupt nicht unter die Künstler im großeu Stil gerechnet und der Begriff des Malers so eng gefaßt werden sollte, daß selbst Albrecht Dürers Rnhm dabei in Frage gestellt werden kann. Wer hätte geahnt, daß uns Tage bevorstünden, in denen die unbedeutendste Errungenschaft einer doch niemals klar definirten „Technik" höher würde angeschlagen werden, als alle Phantasie und Gestaltungskraft der großen Münchener Schule, Tage, in deuen der geistig dürftigste Atelierschüler, der einen kleinen Lichteffekt mit einigem Geschick anzubringen weiß, mit souveräner Verachtung auf Cornelius und Schnorr herabblicken würde? Gleichwohl fühlen selbst unbedingte Bewunderer der malerischen Bestrebungen der Gegenwart, daß in dieser Verachtung
O eitler Ruhm der menschlichen Begabung, Wie schnell vergeht dns Grünen seines Gipfels, Wenn hinter ihm nicht rvhe Zeiten fvlgen! Das Feld der Malerei zu halten dachte Einst Cimabue; jetzt rühmt man nur Givttv, Svdnß verdunkelt wird der Ruf des ErstenI
(Uebertrngung von Karl Witte.)