Contribution 
Moderne Denkmäler.
Page
38
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

38

Zur Iahroswende.

nahmen abgerechnet, in einer drückenden Lage. Ob ihre Zahl in keinem Ver­hältnis znr Leistungsfähigkeit der Staats- nnd Kommunalbehördcn nnd zur Kauf- kraft der privaten Kunstfreunde steht, oder ob die unklare und unsichere politische Lage die Schuld au der allgemeine» Zurückhaltung gegen die Künstler trägt, wer weiß eS? Aber die Thatsache steht fest, uud sie legt den maßgebenden Fakturen die Verpflichtung auf, die verfügbaren Summen möglichst gleichmäßig zu verteile», Weuu mau iu svichen Zeiten einem Künstler ein Lessingdeukmal iu Auftrag giebt, macht mnu einen glücklich, während hundert darben. Viele huuderttauscud Mark stehen den? Berliner Lefsingkvmitec zur Verfügung, Was könnte mit einer solchen Summe erreicht werden, wenn man sich ans eine ein­fache Büste nnd eine allegorische Figur beschränkte nnd den Nest für andre Knnstzwecke verwendete!

Es kommt uns natürlich nicht in den Sinn, mit solchen Vorschlägen all­gemeine Grundsätze anfznslelleu. Wir haben uns deutlich geuug gegen jedes Geueralisiren in der Kunst uud in der Knnstverwaltung ausgesprochen. Aber besondre Zcitverhältnisse fordern auch eine besondre Beurteilung, und Dcnkmäler- tomitces sind^ ebensosehr der Reform bedürftig und fähig wie jede andre mit antoritativeu Rechten ausgestattete Körperschaft.

Zur Jahreswende.

ie Weltlage ist einer festlichen Stimmung wenig günstig, und wie so oft schon, hat sich die Ncichstagsmajontät verpflichtet gefühlt, dem Vertrauen, daß es iu deutschen Dingen vorwärts gehe, schnell noch einen Stoß zn versetzen. Man kann es dem Vatcrlcmds- freunde nicht verargen, weuu er sich entmutigt abwendet mit der Klage: Diesem Geschlecht ist nicht zu helfen! Und doch ist er im Unrecht. Wer den Blick nicht ausschließlich auf den Ereignissen des Tages haften läßt, sondern das Heute mit dem Gestern und dem Vorgestern vergleicht, der muß zugestehen, daß es besser wird, langsam, aber stetig.

Denken wir nur um fünf bis sechs Jahre zurück. Die politische Partei, welche iu ihrem Namen das Bestreben ausdrückt, nationale nnd liberale Ge­sinnung zu verschmelzen, war zersprengt. Die Angehörigen derselben hatten sich schon lange nicht mehr verstanden, die Trenuung war daher notwendig, wohlthätig. Aber für den Augenblick war der Vorteil auf seiteu der Partei der liberalen Phrase, für welche der wenig denkende Teil der Bevölkerung jeder­zeit sehr empfänglich gewesen ist. Dieser Partei fiel nun alles zu, was sich durch die Wirtschaftspolitik iu persönlichen Interessen bedroht sah oder bedroht wähnte; die dem ursprünglichen Programm treu gebliebenen schienen allen Boden