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Der Minsterwechsel in Paris.
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Der Ministerwechsel in Paris.

ieder einmal sahen wir während der letzten Wochen in Paris an einem Beispiel, welch ein Segen der Parlamentarismus für ein Land ist, besonders wenn es sich des ganz echten, des muster- giltigen, des Parlamentarismus, wie er im Buche steht, zu rühmen hat. Wieder einmal ist dort die alte Wahrheit, daß dieses System, die vrganisirte Selbstsucht der Parteien als solcher wie die der einzelnen Streber, aus denen sie sich zusammensetzen, eine feste, kraftvolle und zuverlässige Negierung unmöglich macht und dadurch den Staat im Innern nnd nach außen hin schwächt, durch einen Ministersturz illustrirt worden. Das Musterland des Parlamen­tarismus, das wir in der französischen Republik vor uns haben, ist ein politisches Kaleidoskop, das unaufhörlich neue Figuren zeigt, und das mag den Liebhabern solchen Spiels gefallen, aber es kann dabei weder zu raschem Fortschritt im Innern kommen, noch zu Ansehen und Vertrauen bei auswärtigen Mächten. Wir dürfen uns Glück wünschen, daß dies im Lande unsrer Feinde geschieht, aber die, welche bei uns derartige Wirtschaft begehren und erstreben, sollten doch endlich einmal inne werden, daß dieselbe auf Thorheit beruht und Unheil mit sich bringt.

Das Ministerium Freycinet, welches schon einige Wochen vorher ins Schwanken geraten war, verlor zuletzt vollständig das Gleichgewicht und fiel um, wie seit fünfzehn Jahren mehr als ein Dutzend Ministerien vor ihm um­gefallen waren. Französische Kabinette sind schon oft durch Schüsse aufs Geratewohl hin, die aber sorgfältig vorbereitet waren, niedergestreckt worden, und wenn man nach den letzten Manövern der Opposition urteilen darf, kann man sagen, daß die feindliche Abstimmung der Kammer, welche das letzte Grcnzboten IV. 1886. 78