Aus der Chronik derer von Riffelshausen.
iLrzÄhlung in zwei Büchern von Margarethe von Bülow. (Fortsetzung,)
o kam der März, der Thmunonat. Der Westwind wehte warm und heftig über das Land, Briefträger und Botenleute hatten ihre Not ans den durchweichten Wegen, und die „Gebildeten" klagten über Kopfweh und Müdigkeit, Der Schmidt aber stand auf der südlichen Höhe über dem Dorfe, die Grcifenberge benannt, nnd sah nach West und Südwest, wo immer noch die blauen Waldberge ihre Schneekuppen trugen.
Wenn der Schnee nicht geht, wird's auch nicht Frühling, dachte er, uud geht er, so bekommen wir wieder großes Wasser.
Eines Tages, als die Sonne sich ganz ernstlich nach dem Befinden ihrer Erdenlindcr nmsnh, hatte Doktor Petri seiner Patientin im Sicbenhofner Herrenhaus? erlaubt, das Krankenzimmer zn verlassen. Mathilde hüllte sie möglichst gut eilt und ersuchte sie dringend, sich nicht über den oberen Flur hiuauszuwageu. Doch Julie versprach nichts, sondern nachdem sie Mathilden auf einen Spaziergang ausgeschickt hatte, begab sie sich die Treppe hinunter in das Zimmer ihres Onkels.
Er war nicht wenig überrascht, sie zu seheu, uud fand sie stark verändert. Ihr schönes Haar war kurz geschnitten, Gesicht nnd Gestalt abgemagert, ihre Haltung kraftlos, ihre Bewegungen müde. Tiefe Schatte» lagen unter ihren großen grauen Augen, nnd noch hatte ihre Hant die böse, wachsgelbe Krcmkcnsarbc.
Indessen äußerte sich Niffclshauscn hierüber nicht. Er begrüßte sie mit freudiger Herzlichkeit als endlich anferstanden, wies ihr einen Lehnstuhl nahe dem Ofen an uud befragte den Schmidt, wie es mit der Wärme des Zimmers beschaffen sei, Dieses Biedermannes Thermometer schien sich in dem Holzkvrbe zn befinden, denn nachdem er den Deckel aufgehoben und den Korb leer befunden hatte, sagte er: Nun, Herr Baron, so eine heiße Stube taugt auch zn nichts; nachher erkältet sich Fräulein Jnlchen erst recht. Der Schmidt warf noch einen frohen Blick auf das Fräulein und entfernte sich.