Notizen.
5S7
Richter hatte sich in das Dunkel der Fensternische zurückgezogen und sah von dort aus zu ihr hinüber. Wie gut sah sie aus, nnd wie reizend!
Jetzt sah auch Mathilde nach ihm hin und kam, um auch ihm zum Gruß die Hand zn reichen. Er schien es nicht zn bemerken und verbeugte sich schweigend. Enttäuscht und traurig ließ sie die Hand sinken.
Ihnen, Herr Pastor, bringe ich die besten Grüße von Frau von Scheff- lingen und Lieschen.
Abermalige Verbengnng.
Und ich freue mich — ihre Stimme wurde etwas unsicher —, sie Ihnen heute schon ausrichten zu können. Ich scheine aber unter der Zeit ganz in Vergessenheit geraten zu sein, fügte sie mit einem verunglückten Versuch zu lächeln hinzu, da mir der Herr Pastor nicht einmal einen guten Abend gönnen will.
Er fuhr auf: Will sie mich quälen? Arme Mathilde! Wie schlecht gelang es ihr, die so weise cmsgesonnene Freundschaft einzuleiten.
Gnädiges Fräulein, es beliebt Ihnen zn scherzen, sagte er hart. Sie schüttelte den Kopf und wandte sich bekümmert ab. Dann meinte sie, gegen den Onkel gewandt, sie wolle die Herren nicht länger stören, und dachte immer nur: Was will er deuu? was hab' ich denn gesagt, nm diese Unfreundlichkeit zn verdienen?
Riffelshansen sah sehr wohl, daß ihre Gedanken in der Fensternische geblieben waren, es war ihm garnicht recht.
Sie grüßte freundlich nnd verließ das Zimmer. Hinter ihr aber tönte das Lob, welches der Siebenhofner Pfarrer ihr eifrig spendete.
Mathilde berichtete, als sie eine halbe Stunde später mit Onkel und Tante am Theetisch saß, daß sie erst nach langem Kampfe die Erlaubnis der Frau von Schefflingen zn der raschen Rückreise erhalten und jene wiedernm es durchgesetzt habe. Mathilden ihre Kammerfrau, die Heller, mitzugeben. Es that mir sehr leid, sie bennrnhigen zu müssen, sagte Mathilde schuldbewußt, aber ich tonnte es doch nicht länger aushalten, so, wie ich euch hier wußte — nein, Onkel, wahrhastig nicht!
Mathilde trat mit Ernst und Eifer ihr Amt als Pflegerin an. Juliens Genesung schritt sehr langsam vorwärts, sodaß der Winter im Siebenhofner .^errenhcmse stiller als je verstrich. Valericm erkundigte sich brieflich aufs eifrigste nach allseitigem Befinden, blieb jedoch, seinem Vorhaben getreu, in Erfnrt und lebte ausschließlich der Arbeit, wie er sich ausdrückte.
(Fortsetzung folgt.)
Notizen.
Gerichtskosten und Rechtscinwaltsgebühren. Nach Zeitungsmittcilnngen ist dem Bundesrate der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Gerichtskvsteugesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsnnwälte zugegangen. Der Inhalt dieses Entwurfs beschränkt sich gegenüber dem Gerichts- kostcngesch, das ja erst dnrch die Novelle vom 29. Juni 1381 zn Gunsten der Rechtsuchenden abgeändert worden ist, auf einige wenige Aenderungen. Der