Deutsche borgen in Osterreich.
3.
eberblicken wir den Stand des Dentschtums in Österreich-Ungarn, wie er sich in den letzten Jahren gestaltet hat, so finden wir, daß die Bedrohung und der Rückgang unsrer Nationalität in Trans- leithanten am stärksten, weniger stark in den Alpeuländern Cis- leithaniens, wo nur das italienische Element eine geistige Macht ist, die Slowenen dagegen eine solche erst werden wollen, nnd wiederum stärker in Böhmen erscheint. Wir werden daher in diesem Znsammenhauge, wo wir uns knrz fassen müssen, nur die Deutschen in der ungarischen Neichshülfte und die böhmischen ins Auge fassen, und zwar soll über letztere uud ihr Verhältnis zu ihren tschechischen Gegnern hier nur im allgemeinen gesprochen werden, da wir uns vorbehalten, im nächsten Jahre ausführlich über sie, die uns ihrer geographischen Lage wegen am nächsten angehen, Bericht zu erstatten.
Die ethnographische Statistik des ungarischen Staates zeigt sehr erhebliche Einbußen des deutschen Elements gegen früher, doch ist sie nicht ohne Trost, da sich dieselben auf die Städte und gewisse, freilich ziemlich ausgedehnte Teile der Landbevölkerung beschränken und durch Zunahme jenes Elements in andern Gegenden ausgeglichen werden. Die Deutschen in den westlichen Komitaten Preßburg, Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg haben trotz aller Magyarisiruugs- maßregeln ihr Sprachgebiet nicht nur behauptet, sondern teilweise sogar erweitert. Im Nanate. in jenem Landvierecke, welches im Norden von der Marosch, im Osten vom siebenbürgischen Erzgebirge, im Süden von der Dvnau und im Westen von der Theiß begrenzt wird, ist die Zahl unsrer Stammesgenossen seit dem Jahre 1335, wo sie etwa 160 000 betrug, auf mindestens 375 000 angewachsen. Auch Grenzboteu IV. 1886. 64