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Bewegungen in der katholischen Welt.
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Zur,' Reform des juristischen Studiums.

welche zur Kräftigung der Kirche bestimmt sind, können in ihren letzten Folgen in das Gegenteil ausschlagcn und statt einer Stärkung des Kircheuregiiueuts die Demokratisirnug und Revolutioniruug der Kirche nach sich ziehen.

Zur Reform des juristischen Studiums.

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er die Literatur dieser nicht gerade jungen, seit Schmvllers An­regung aber vvn neuem auf die Tagesordnung gekommenen Frage überblickt, wird mit einigem Erstaunen sinden, daß die Wortführer der Nesvrmbewegung fast durchgängig aus den Reihen der Pro­fessoren hervorgehen, während die Praktiker, deren Händen der juuge Nachwuchs nach Vollendung seines akademischen Trienninms zur weitern Ausbildung überantwortet wird, sich in ein beharrliches Schweigen hüllen. Und doch wird mau billigerweise zugestehen müssen, daß in der Jurisprudenz, die nun einmal keine reine, sondern eine angewandte Wissenschaft ist und bleiben muß, zur Beurteilung der Frage nach der Zweckmäßigkeit oder Zweckwidrigkeit der Vorschriften über die Bildung ihrer zur praktischen Ausübung des Berufes bestimmten Jünger derjenige, welcher selbst in der praktischen Thätigkeit steht und die jüngern Genossen zu dieser heranzieht, mindestens ebenso berufen ist, als die Lehrer der Universität. Dem Grunde des Schweigens nachzuforschen, würde zu weit führen, großenteils wird es darauf zurückzuführen sein, daß auch in den Kreisen der praktischen Juristen zwar das Gefühl der Reformbedürftigst geteilt wird, über die Mittel zur Beseitigung der Mängel aber noch Unsicherheit herrscht.

Bei diesem Schweigen ans der einen Seite darf es freilich nicht Wnuder nehmen, wenn die Wortführer der andern bei Blvßlegnng der bestehenden Mängel und Erörterung der Ursachen derselben die Schuld an diesen vvn sich ganz und gar abzuwälzen und der Gegenseite allein aufzubürden versuchen.

Den Höhepunkt dieser Nichtnng bezeichnet die Broschüre des Professors v. Lißt i» Marburg: Die Reform des juristischen Stndiums in Preußeu (Berlin, Guttcntag), welche die bei Beginn des diesjährigen Wintersemesters von dem Verfasser gehaltene Nektoratsrede enthält. Den Kern seiner Erörterungen bietet der den Schluß seines Vorwortes bildende Satz:An dem Prüfungs­unwesen haben wir den Hebel anzusetzen. Das übrige mag man getrost nns Professoren überlassen. Wenn uusre Studenten erst einmal etwas zu wissen branchen, dann werden wir es ihnen auch beizubringen verstehen."