Max Duncker.
361
zu bilden, mußte zunächst dem Deutschtume im Süden, wo Slovenen und Italiener es gefährdeten, zu Gute kommen; denn daß die Staatssprache, die insbesondre Josef für den verwickelten Organismus seines Reiches zur Geltung zu bringen suchte, die deutsche sein mußte, litt damals keinen Zweifel. Dem Kaiser war es aber nicht bloß Mittel zum Zweck, er stand ihm auch mit dem Herzen nahe, er war seit Jahrhunderten wieder der erste österreichische Herrscher, der „stolz darauf war, eiu Deutscher zu sein." Wie er seine Absichten nicht erreichte und wie nach seinem Hingange die alte Absperrung gegen den deutschen Geist und die alte Überwachung und Niederhaltung aller freieren Regungen von neuem begauucn und bis gegeu die Mitte unsers Jahrhunderts fortwährten, ist sattsam bekannt, und über das, was sich weiter entwickelte, werden wir in einem späteru Artikel berichten, nachdem wir zunächst noch einen Rückblick auf die Geschicke der Deutschen in den österreichischen Sudeten- und Karpathcnländern gethan haben werden.
Max Duncker.
s ist sehr erklärlich, daß in der Mehrzahl der Skizzen, welche das Wesen und den Lebcnsgang des Mannes gezeichnet habe», dessen Andenken auch die folgenden Blätter festhalten sollen, der Ausgcmg von der Thatsache genommen ist, daß Duncker seinem Lehrer Raute und seinem Berufsgenossen Waitz so schnell im Tode gefolgt ist. In der That ist der Verlust, welchen die historische Wissenschaft durch das Abscheiden solcher Koryphäen erlitten hat, ein fast unersetzlicher, zumal der weuig früher Heimgegangene I. G. Drohsen von dieser Dreizahl nicht getrennt zu denken ist. Gleichwohl sondert sich Duncker und mit ihm Drohsen von Ranke und Waitz nicht unerheblich; sie bilden eine Gruppe für sich, die ihre eignen Wege ging und das engere Zusammengehören auch im täglichen Verkehr zur Anschauung brachte. Beide waren ausgerüstet mit einer allmählich selten werdenden philologischen Bildung, beide sind die berufensten Darsteller des Griechentums, der eine für die Anfänge, der andre für den Ausgang geworden. Und doch lag bei beiden das Herzeusinteresse anderswo, es war dem Erstarken und dem Glänze des vaterländischen Staates zugewandt; sie haben einen direkten Einfluß auch auf die Gegenwart ausüben wollen und sind nicht nur Historiker, sondern auch Politiker gewesen.
Max Wolfgang Duncker war am 15. Oktober 1811 in Berlin geboren. Sein Vater hatte seit 1809 mit Pierre Humblot zusammen die Fröhlichsche Grenzboten IV. 1336. 46