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Volkswirtschaftliche Betrachtungen eines Laien.
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Volkswirtschaftliche Betrachtungen eines Laien.

die Summe nicht erschwingen, welche zur Beschaffung der ersehnten Hausgeräte notwendig sein würde.

Man frage die Väter, deren Söhne einen Beruf ergreifen wollen, nach den Erfahrungen, die sie bei der Wahl eines solchen gemacht haben! Überall werden sie gewarnt vor der herrschenden Überfüllnng, Die Söhne sollen nicht werden: Arzt, Jurist, Gymnasiallehrer, Baumeister, Apotheker, Landwirt, Kauf­mann, Handwerker. Ein junger Mann, der einen Beruf ergreifen will, um ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft zu werden, der bereit ist, freudig zu schaffen, empfängt überall den Eindruck, daß er sich schon glücklich schätzen müsse, irgendwo als fünftes Rad am Wagen mitlaufen zu dürfen.

Werfen wir einen Blick auf das Gebiet weiblicher Erwerbsthätigkeit, so finden wir noch traurigere Verhältnisse. Wohl kaum ein andrer Erwerbszweig ist so echt weiblich wie der einer Lehrerin, wir sehen daher auch Tausende von jungen Mädchen Geld, Zeit und gar oft auch Gesundheit opfern, um Lehrerin zu werden. Wenn sie aber glauben, am Ziele zu sein, weil sie die Befähigung zur Lehrerin erlangt haben, und bewerben sich um eine Stelle, so müssen sie hören, daß hundert andre größere Anwartschaft auf diese Stelle haben; wenn sie Privatunterricht erteilen oder ein Pensionat errichten wollen, so finden sie keine Schülerinnen. Keineswegs aber trägt der Mangel an Schülerinnen die Schuld an all diesem Mißgeschick, sondern nur der Mangel an dem unfruchtbaren Gelde. Zahllose Schulklasscn, welche für die schwache Kraft einer jungen Lehrerin überfüllt sind, könnten zum Besten der Lehrerin nnd der Schülerinnen geteilt und durch zwei Lehrerinnen unterrichtet werden, wenn das erforderliche Geld zur Verfügung stünde; zahllose gebildete Familienväter und -Mütter, welche vom Schicksal nach einsamen Plätzen, in den Wald und auf das Dorf verschlagen sind, wo kein andrer Unterricht erteilt wird, als der im Lesen, Schreiben und Rechnen, müssen mit Schmerz sehen, wie ihre Kinder ohne wissenschaftliche Bildung aufwachsen, und würden gern das Opfer bringen, ihre Kinder einer Erziehungsanstalt anzuvertrauen, wenn die wirtschaftlichen Verhaltnisse ihnen erlaubten, die eigne Kraft in einträglicherer Weise zu verwerten.

Tausende von Technikern und Handwerkern aller Art sind ohne Beschäftigung in ihrem Bernfe; anderseits müssen zahllose Bauausführungen, welche zum Besten des Volkes und Landes erforderlich wären, unterbleiben, riesige Ödlän­dereien der Aufforstung, große Sümpfe der Trockenlegung harren. Alle diese Arbeiten können nicht ausgeführt werden, weil es an Geld dazu gebricht.

Wenn man sich dagegen wieder die Kehrseite dieses Bildes besieht, so findet man, daß so viel Geld vorhanden ist und brach liegt, daß dasselbe als Waare immer tiefer im Werte sinkt, der Zinsfuß stetig niedriger wird. Das Geld, welches für sich allein im Haushalte eines Volkes wertlos ist, welches keinen Menschen satt macht, wenn nicht der Bauer Pflügt und der Bäcker bäckt, welches keine Wohnung schafft, wenn nicht der Maurer mauert, der Schlosser feilt, der