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Goethes Lila.
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Goethes Lila.

von Lugen Reiche!.

Denn ein vollkommner Widerspruch Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Thoren.

Goethe.

ine der sonderbarstenEigenheiten" Goethes war seine Neigung zum Geheimnisvvlleu. Er, der mit besondrer Vorliebe sich an die Natur hielt und ihr mit nüchternem Forschungseifer auf den Leib zu rücken suchte, konnte sich, so lange er lebte, dem Zauber des Unklaren, des Geheimnisvollen nicht entziehen; das Uuer- forschliche" zuverehren" war ihm ein Bedürfnis. Aber er war nicht nur geneigt, vor demUnerforschlichen," dem Rätselhaften verehrend oder auch Tief­sinniges ahnend auszuruhen, sondern er liebte es auch, seinem Publikum, für das er nur wenig Achtung hegte, selbst solche Rätsel aufzugeben. Vielleicht that er das, um dieses geringgeschätzte Publikum zum Besten zu haben; vielleicht aber auch, weil es ihn reizte, von der Welt gelegentlich nicht nur für einen schwer zu übersehenden, sondern anch für einen unerforschlich tiefsinnigen Dichter gehalten zu werden. So entstand dasMärchen," das beschäftigungslose Forscher schon vielfach in unfruchtbarster Weise beschäftigt hat; so entstand vieles imFaust," der ja in einer Menge von Einzelheiten den Menschenein Rätsel geblieben ist nnd ihnen fort und fort zu schaffen gemacht hat"*); so entstand außer manchem andern, woran wir uns die Zähne zerbeiße», auch die Lila," mit der wir uns hier ein wenig beschäftigen wollen.

Die erste Fassung der Dichtung ist verloren gegangen, sie wurde wahrschein­lich im Dezember 1776 niedergeschrieben; am 80. Januar 1777, dem Geburts­tage der Herzogin Louise, fand die erste Anfführung des Werkes statt. Gründe persönlicher Art scheinen Goethe die Gelegenheitsarbeit wertvoll gemacht zu haben; wenigstens wissen wir, daß er im Fcbrnar 1778 mit einer Umarbeitung derselben beschäftigt war, die aber ebenfalls abhanden gekommen ist. Als er dann in Italien die Arbeiten für die erste Ausgabe seiner Werke beendete, nahm er seltsamerweise das unbedeutende Werk nochmals vor und berichtete darüber am 1. Februar 1788 von Rom aus, daßdas Werk so um- und ausgearbeitet werde, daß man es nicht mehr kennen solle." In dieser letzten, dritten Gestalt

*) Goethe schrieb mit Beziehung auf denFaust" nn Zelter, das; eskeine Kleinigkeit sei, dem fertig hingestellten «och einige Mmitelfaltcn einzuschlagen, damit alles zusammen ein offenbares Rätsel bleibe und den Menschen fort uud fort zu schaffen mache."