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Die Kaiserwahl vom Jahr 1519 und Karls V. Anfänge.
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Vesuchung der Waldungen ohne Lebensgefahr versehen können," und daß die Neutlingerin seinen Waldungen und Fischwasferu großen Frevel ausgeübt uud andre Ausschweifungen begangen, er aber niemals habe Genugthuung er­langen können": nun kam, er hatte eben mit allen Prälaten seines Landes die Leichenfeier für den Kaiser Maximilian ausgerichtet, die Botschaft, daß sein Burgvvgt von der Achalm, während er mit seinem Eheweibe in eiueni Wirts­hause zu Reutliugen speiste, von einigen Bürgern erstochen worden sei, zur Rache dafür, daß des Herzogs Vogt auf Hvheuurach einige Jahre vorher einen Neutlinger wegen Wildcrns erschlagen hatte. Der Herzog saß eben noch an der Tafel, als ihm der Mord seines ihm besonders werten Dieners gemeldet wurde, neben ihm die Prälaten: alsbald ließ er in den nächsten Ämtern Lärm schlagen und die Mannschaft aufbieten; er selbst saß zu Pferde und versuchte die Stadt durch einen Handstreich zu nehmen. Dies mißlang; aber Ulrich um­lagerte die Stadt trotz der großen Kälte, ließ sie beschießen und drohte: lieber wolle er sein halbes Herzogtum daran setzen, als unverrichtcter Sache abziehen. Die Neutliuger sandten am 23. Januar einen Boten nach Augsbnrg an Ulrich Arzt ab, den Hanptmann der Reichsstädte des schwäbischen Bundes; aber der ^ote wurde abgefangen und die Stadt nach achttägiger Umlagerung genötigt, stch zu ergeben, es war am 28. Januar. Der Herzog hielt eiueu feierlichen Einzug, ward von der Stadtgeistlichkeit am Thore empfangeil und begab sich zur Kirche, um Gott zu danken. Dann mußten ihm die Vorgesetzten und die Bürgerschaft auf dem Markte huldigeu und ihm ihreGewölbe und Behältnisse" samt allein Silbergeschirr, Kleinodien uud Briefschaften übergeben; zwar stellte er den Leuten nachher ihr Eigentum wieder zu, aber die Stadt selbst meinte Ulrich, auf König Franz bauend, festhalten zu können, selbst gegen den schwäbischen Bund, dessen ^licd Reutliugen gewesen war. Er ließ das Siegel der Stadt zerschlagen nnd gab ihr ein andres Wappen und Siegel; die neue Landstadt sollte auf den Landtagen des Herzogtums den Sitz gleich nach Urach haben; ein Blockhans wurde in der Stadt errichtet, die Bresche in der Maner geschloffen und ein Heer von 3000 Mauu ucich Reutlingcn gelegt. Es war ein kühnes Unter­fangen, nnd selbst Ulrichs blödsinnigem Vater, dem Grafen Heinrich, dämmerte die Ahnung der Gefahr; als sein Sohn aufbrach, die Stadt anzugreifen, sagte er:O, er wird zum Lande Hinansziehen." Laut klagte man, daß der Herzog für den Frevel einiger Wenigen sogleich die ganze Stadt verantwortlich gemacht und ihr nicht einmal die Möglichkeit gerichtlichen Anstrags eröffnet habe; es erschien dies umso gewaltsamer, als die Stadt Reutliugen einen Schirmvertrag Un't dem Hause Würtemberg aufgerichtet uud wenige Tage vor Ulrichs Augriff >hr Schirmgcld bezahlt hatte; viele glaubten, daß er nun an Eßlingcu gehen werde, daß er es überhaupt auf die Reichsstädte abgesehen habe; man traute ihm zu, daß er am Anfange des sechzehnten Jahrhunderts das mit französischer Hilfe durchführen werde, was sein Nachfahre Herzog Friedrich 1803 mit Grmzbvtcn III. 1L86, 40