Beitrag 
Camoёns : Roman :
(Fortsetzung.)
Seite
543
Einzelbild herunterladen
 

Notiz. Literatur.

543

Vor allem bleibt gerecht, Freund, und vcrgeßt nicht, daß eine Freundschaft wie die unsre auch härtere Proben bestehen muß als den Irrtum des einen oder des andern von uns. Und dann sagt mir, warum Euch doch wieder ein Zweifel gekom­men ist, Dom Sebastian zum Kreuzzug aufzurufen. Ich sehe, daß Ihr zögert

Vielleicht war es eine plötzliche Mahnung an Euch! sagte Cnmoeus wider­strebend. Ich ward heute Mittag des Köuigs und seiner Leibschaar ansichtig, und es überkam mich, daß, wo wir in Indien nur zu zwei- oder dreihundert beisammen waren, wir anders dreinschauten als des Köuigs heutige Waffen­gefährten. Vielleicht sah ich mit Euren Augen, Manuel! Und ich sollte es nicht ich dürfte uicht bedenken, als was ich in den Königsgärten mir ge­schworen! Eben sagte ich, daß es nichts giebt, was ich für Catariuas Glück und Ehre nicht zu opfern vermöchte.

Eure Ehre, Euers Gewissens Rnhe werdet Ihr doch ausnehmen, Luis! entgegnete Manuel, uud jetzt war ein unwiderstehlich herzlicher Klang in seiner Stimme. Ihr würdet nicht zögern, nicht zweifeln, wenn nicht etwas im Kern Euers Hcrzeus gegen Euern Entschluß uud Euer Opfer spräche. Ich will offen sein, Freund: ich bin überzeugt, daß es kein Mittel mehr giebt, die Pläne des Königs aufzuhalten und das Unheil abzuwenden, welches sein Glaubens- und Nuhmcstraum über Portugal heraufbeschwört! Ob Ihr mit diesen Versen den König bestärkt, ob Ihr ihn feierlich abmahnt, es wird kommen, was kommen muß! Ihr aber dürft keinen Teil daran haben und, wenn Ihr nicht selbst überzeugt seid, daß des Köuigs Zug unserm Lande zum Heile dient, sich an die Thaten an­reiht, denen Ihr Euer bestes Leben geweiht und die Ihr besungen habt, auch nicht das Sandkorn in die schwankende Wagschale werfen! (Fortsetzung folgt,)

Notiz.

Nachtrag zu dem Aufsatz über die Wohnungsnot. Nach jüngsten Zeitungsberichten hat in Frankfurt unter Leitung von Dr, Flesch und Dr. Miqnel bereits eine Versammlung stattgefunden, welche die Wohnungsfrage besprochen hat. Für die Schaffung von Arbeiterwohnungen hat weniger die Geldfrage als die Platz- und Einrichinngsfrage Schwierigkeiten gemacht. Man ist aber dort auf ein neues Mittel verfallen, der Wohnungsnot abzuhelfen. Es sollen Genossenschastshäuser gegründet werden, dergestalt, daß je eine größere Zahl (etwa zehn) Besitzer von kleinen Vermögen (etwa von tanseud Mark) sich zusammenthun und mit Beihilfe eines größeru Kapitalisten ein geineinsames Haus erbauen, das für sie alle kleine Wohnungen bietet. Es wäre gewiß erfreulich, wenn die Sache glückte. Es fragt sich nur, ob die Teilnehmer den alten Satz werden überwinden können: vommumo vst imitier rixlU'um,

Literatur.

Der Abt. Ein Sang aus Preußens Ritterzeit von M, Tyrol. Leipzig, Meißner, 1885.

Es ist uicht leicht, deni Autor dieses sehr bemerkenswerten lyrisch-epischen Gedichts gerecht zu werden, denn mit manchen Vorzügen vereinigt er viele Fehler. Er besitzt die Gabe der glücklichen Erfindung, einen Stoff, den ihm cmdeutnngs-