Beitrag 
Rußlands Finanzen und die Entwertung seiner Valuta.
Seite
497
Einzelbild herunterladen
 

Rußlands Finanzen und die Entwertung seiner Valuta.

von Ludwig von Hirschfeld.

nßland gehört zu denjenigen Staaten, welche wie Osterreich und Italien von der Last älterer Verpflichtungen erdrückt werden. Seit dem Beginn dieses Jahrhunderts, d. h. von dem Zeitpunkte an, wo überhaupt eine geordnete Verwaltung im staatlichen Finanzwesen auftritt, befindet es sich auf der abschüssigen Bahn des chronischen Defizits und ist, nm den Anforderungen der Amortisation und Verzinsung seines Schuldbestandes zu genügen, häufig genötigt gewesen, die Hilfe des Auslandes in Anspruch zu nehmen. Da eine Kontrole über die Verwendung der Staatsgelder durch eine Volksvertretung niemals bestand, der erste amtliche Fincmzansweis über den Staatshaushalt aber erst im Jahre 1862 erschien, so schwebt über der älteren Finanzgeschichte ein gewisses mystisches Dunkel. Einzelne Epochen in der wirtschaftlichen Entwicklung lassen sich in­dessen immerhin herausheben. Die bedeutsamsten Ereignisse, welche dieselben abgrenzen, sind die Reform von 1839, welche die Silberwähruug periodisch wiederherstellte, der Krimkrieg, die Aufhebung der Leibeigenschaft mit den sich daran schließenden wirtschaftlichen Umgestaltungen und der letzte russisch-türkische Feldzug. Der Krimkricg wird allgemein als die eigentliche Ursache der finanziellen Zerrüttung angesehen. Er forderte ungeheure Gcldopfer und führte zur mili­tärischen Niederlage. Dennoch war die Rückwirkung desselben durchaus ver­schieden von den Nachwehen, welche die Kriege von 1859, 1866 und 1870/71 für die unterliegenden Staaten znr Folge hatten. Der Krimkrieg führte zu keinem Gebietsverlust, das Kriegstheater beschränkte sich auf einen geringen Raum, eine fremde Okkupation oder Verheerung einzelner Provinzen fand nicht

Grmzboten II. 1836. 63