Die deutschen Schulen in Ungarn.
ls Fürst Bismarck in der berühmten Rede vom 28. Januar d. I. sagte, die Deutschen gäben in Ungarn ihren Besitzstand auf, da beeilte sich sofort der „Pester Lloyd," das deutsche offiziöse Organ der ungarischen Negierung, bestimmt, da es in der verständlichen deutschen Sprache geschrieben ist, Deutschland über die magyarische Politik zu täuschen, dieser Behauptung des Reichskanzlers entgegenzuhalten (Nr. 30 vom 30. Januar), daß die Deutschen in Ungarn in ihrem Besitzstand nicht zurückgingen: „Es giebt nach der letzten Volkszählung in Ungarn nicht ein Komitat, wo sich nicht Deutsche vorfänden, nnd in einzelnen Komitaten erhebt sich ihre Zahl bis zn 70 Prozent der Gesamtbcvölkerung. Sie haben ihre alten Sitze behalten und ihren alten Besitz, wie ihre alten politischen Tugenden. Stets haben sie ein lcmdestrcues und verläßliches, selbstbewußtes und freiheitlich gesinntes Element der Bevölkerung Ungarns abgegeben, und so ist es auch heute der Fall. Wir wüßten fürwahr keine Veranlassung, um derentwillen sich die Deutschen irgend unbehaglich fühlen sollten auf diesem ungarischen Boden, wo kein Minister es wagen würde, mit einer Versammlung von 300 unbescholtenen deutschen Kleinbauern in der Art zu sprechen, wie Fürst Bismarck mit dem preußischen Landtage und mit dem deutschen Reichstage spricht."
Es ist m der That rührend, wie der „Pester Lloyd" sich hier plötzlich der Deutschen annimmt. Wenn er keine Ursachen weiß, warum sich die Deutschen in Ungarn nicht wohl fühlen sollen, in Deutschland kennt man sie: man kennt die unerhörten Magyarisirungsanläufe, die Mißhandlungen durch eine ungarische Verwaltung, die es ermöglicht, daß freie Bauern von Beamten an den — Juden verpachtet werden zur Straßenarbeit, die Bestechlichkeit der Richter, svdaß der Justizminister soeben gegen den Strafsenat des Pester Gerichtshofes Grenzboten II. 1886. 7