Die dramatische Kunst von Wildenbruchs.
von Arnold Forke. 4.
enn in meinem letzten Aufsatze über die Wildenbruchschcn Dramen trotz mancher Ausstellungen der Vorzug dein Stücke „Väter und Söhne" gegeben wurde, so soll es nun im folgenden meine Aufgabe sein, nachzuweisen, daß vou allen.bisher besprochnen Stücke» die Palme dem „Menoniten" gehöre. Dieser Beweis wird nach allen den Richtungen, welche in den frühern Besprechungen in Frage gekommen sind, leicht zu erbringen sein.
Was zunächst die Erfindung anbetrifft, so hat damit Wildenbrnch ohne allen Zweifel einen glücklichen Griff gethan. Den Titel hat er von dein Glaubensbekenntnis feines Helden hergenommen, dem dieser während seines kurzen Lebens zngethcm war, das er aber mit den zu seinem Tode führenden Handlungen von sich abstreift. Das ist alles — dem Anschein nach freilich wenig, aber, wie man sehen wird, doch ausreichend.
Man wird zwar sagen: Was ist uns Heknba? was sind und bedeuten in der Gegenwart uoch die Menoniten? Kanm hat jemand Kenntnis von ihnen, und wen» es solche giebt, wie viele von diesen wissen die Unterschiede, welche die Sekte von Andersgläubigen trennen? In der That, die wenigen Menoniten. die heutzutage noch in Deutschland leben, sind stille, rnhige Menschen, in deren Glaubenssätzen, wie sie sich von denen andrer Leute unterscheiden, kaum noch die Möglichkeit eines Konflikts mit der außer ihrem Kreise liegenden Welt enthalten ist. Nicht als ob dies zu der Zeit, in der das Drama spielt, im wesentlichen anders gewesen wäre. Schon seit Jahrhunderten haben sie die Wildheit und Gefährlichkeit der Grundsätze abgelegt, welche einst die Wiedertäufer in Münster zur Herrschaft bringen wollten. Aber sie hielten im Anfange dieses Jahrhunderts und auch später noch mit starrer Uubeweglichkeit an einigen Sätzen fest, die sie in merklichen Gegensatz zu andern Unterthanen desselben Staates wie zu diesem selbst setzten. So war ihre Deutung des göttlichen Gebotes „Du sollst nicht töten" eine so buchstäbliche, daß sie auch die Tötung eines Menschen in rechtmäßigem Kriege für eine große Sünde hielten. Waren sie nun auch im übrigen gehorsame und höchst achtbare Unterthanen des Staates, in dem sie lebten, und zeigte sich besonders darin ihre tiefe Religiosität, in allem, was ihr Gewissen nicht berührte, dem Staatsoberhaupte zu geben, was ihm