Mein Freund der Nihilist.
von I- von Ungor.
n einem klaren Frühlingsabende wanderte ich die schöne Straße entlang, welche hart am Ufer des Sees von Vevey nach dem lieblichen Montreux führt. Die sinkende Sonne übergoß die blaue Wasserfläche mit warmem Scheine; in feurigem Rot erglühten die Zacken des Dent du Midi. Fern auf dem See zog langsam ein Schiff mit zwei weißen dreieckigen Segeln dahin. Über dem Dent de Jamcm stieg langsam der Vollmond empor.
Ich stand in schweigender Bewunderung. Da schreckte mich das Bellen eines Hündchens auf. Um den Felsenvorsprung bog leichten Schrittes eine junge Amerikanerin, deren graziöses Wesen uns alle schon längst bezaubert hatte. Sie ließ den Hund Steine apportiren, und es war nur zweifelhaft, ob das junge Mädchen mit dem Hunde spielte oder der Hund mit ihr.
Guten Abend, Miß Ellen! Wie kommen Sie um diese Stunde hierher? und ganz allein?
Ich bin den ganzen Tag fleißig gewesen — nun mußte ich ins Freie. Mama ist leider wieder recht unwohl, und Papa hat seinen Kopfwehtag. Da bin ich denn den schönen Weg hinter ClMean des Erstes herumgegangen und will nun zurück nach Hause. Übrigens bin ich nicht allein. Pradv begleitet und beschützt mich. Er holt mich fast täglich zum Spazierengehen ob. Appvrtc, Pradv!
Gehört denn Prado nicht Ihnen?
O nein, er gehört dem Doktor oben in unserm Hause. Aber er liebt mich weit mehr als seinen Herrn, und sich herumzutreiben ist nun einmal seine Leidenschaft.
Beides begreife ich. Der Doktor, ist das der dunkle junge Herr, dem man die Schwindsucht auf hundert Schritte ansieht?
Ganz recht — Dr. A.
Was ist er denn seines Zeichens?
Das würden Sie schwerlich erraten.
Nun?
Denken Sie: ein Nihilist. Gott bewahre uns!
Ja wohl — nnd zwar vom reinsten Wasser. Das ist ja entsetzlich!
Entsetzlich? Durchans nicht! Der Doktor nnd ich. wir sind sehr gute Freunde.