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Auf dem Stilfser Joch :
(Fortsetzung.)
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Auf dem Stilfser Joch.

Von Adam von Lestonberg. (Fortsetzung.)

m letzten Tage vor ihrem Verscheiden lenkte Edith das Gespräch auf Vroni Keller, deren bisher in den Gesprächen der Geschwister keine Erwähnung geschehen war. Edith bat den Bruder an­gesichts ihres Todes ihr zu verzeihen, wenn sie sich in eine An­gelegenheit mischte, die seinem Herzen nahe ginge, aber sie könne uicht ruhig sterben, ohne den geliebten Bruder vor diesem Mädchen gewarnt zu haben.

Wohl weiß ich, sagte Edith, daß ich selbst von meinem Schöpser, dem ich bald nahe sein werde, der Vergebung bedarf, aber mein Auge ist lichter ge­worden und was ich sehe, erscheint mir so deutlich und lebhaft, daß es keine Täuschung sein kann. Vroni ist schön, aber ebenso kalt und herzlos, sie kennt nur ihre Person, nur den Ruhm für sich und das eigne Glück. Sie ist sich in diesem Egoismus vielleicht selbst nicht einmal klar, wie sie das Herz andrer mit Füßen tritt, sowenig wie die Katze der Grausamkeit sich bewußt ist, wenn sie die Maus in ihren Krallcu hält.

Harald suchte das aufgeregte Mädcheu zu beschwichtigen und versprach ihr, wenn sie erst wieder gesund würde, mit ihr nach Italien überzusiedeln, und dann würde mit manchem andern auch Vroni vergessen werden. Nur wir beide werden einander angehören.

Mir winkt bald ein andres Land als Italien, und eben deshalb habe ich dir das sagen müssen; ich halte Vroni für deinen Unglücksftern, und aus diesem Grunde habe ich sie nie um mich leiden mögen. Ich kann dich nur bitten, höre die Sterbende und reiße diese unheilvolle Liebe aus deinem Herzen.

Um Edith zu beruhigen, mußte Harald versprechen, an diese Worte immer zu denken und sich zu bemühen, Vroni zu vergessen.