Die Konferenz in Ronstantinopel. 341
im Relief zur Anwendung kommen kann, ohne daß der Widerspruch des Malerischen und des Plastischen sichtbar wird.
Daß in der geometrischen Lehre von der Neliefperspcktive das Prinzip der Reliefbehandlung keineswegs, wie man gemeint hat, sicher gestellt worden, daß das Gesetz des Reliefs auf dem mathematischen Wege, auf welchem man dasselbe gefunden zn haben glaubte, nicht gefunden sei und sich auch nicht werde finden lassen, das ist in der Abhandlung Haucks in prägnanten Sätzen dargelegt, und eben hierin ruht der eigentliche Schwerpunkt der Abhandlung. Bevor wir jedoch auf diese Darlegung etwas näher eingehen und, von Haucks Ansicht abweichend, nachzuweisen versuchen, daß durch die Ablehnung des abstrakten Gesetzes der geometrischen Neliefperspcktive die Zulässigkeit einer freiern perspektivischen Behandlung des Reliefs nicht notwendig negirt werde, ist noch eine kurze Bemerkung nötig über den geschichtlichen Verlauf der Neliefentwicklung bis zu jcner Epoche der Renaissance, in welcher die Ausbildung des malerischen Reliefstils bis zu den letzten Konsequenzen fortschritt. (Schluß folgt.)
Die Konferenz in Konstantmopel.
uf die Vorberatungeu der Botschafter in Konstantinopel wird eine Konferenz folgen, welche die bulgarische Frage eudgiltig zu lösen versuchen soll, und während der nachstehende Überblick über die Entwicklung der Dinge und deren gegenwärtigen Stand in die Presse geht, werden die Arbeiten der mit dieser Aufgabe betraute» Diplomaten wohl bereits begonnen haben. jMe Konferenz wurde am 5. November mit dem Austausche der Vollmachten und der Konstituirung der Büreaus eröffnet.^ Seit dem Aufstande in Philippopel, der die Vereinigung Ostrumeliens mit Bulgarien bezweckte, sind noch nicht zwei Monate verflossen, aber in dieser kurzen Zwischenzeit hat sich sowohl mit dem Ergebnis jenes Unionsversuchs als mit dem Urteile der öffentlichen Meinung über denselben eine große Veränderung vollzogen. Der erste Eindruck war eine mit schweren Befürchtungen verbnndene Überraschung. Man nahm an, daß ein Turkenhcer zur Unterdrückung der Rebellion in das Bulgarcnlcmd einrücken, daß der alte Konflikt zwischen den Muhammedanern und den Christen der Balkanhalbinsel wieder ausbrechen nnd wieder zu Greueln führen, und daß der Einbruch ottomanischer Truppen in Ostrumelien das Signal für die Serben nnd Griechen sein würde, ebenfalls einen Angriff auf das Recht und den Besitz des Sultans zu wagen.