Die sogenannte Öffentliche Meinung.
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ebcr Wesen, Bildung und Einfluß der öffentlichen Meinung sind schon vielfach tiefsinnige Untersuchungen angestellt und gelehrte Biicher geschrieben worden; aufgeklärt scheint mir aber der Gegenstand noch lange nicht zu sein. Zwar glaube ich auch nicht, daß meine aphoristischen Betrachtungen des Rätsels Kern treffen werden, aber vielleicht regen sie doch den Einen und den Andern zum Nachdenken an und berichtigen manche bisher im Schwange gewesene Auffassungen.
Die Leser dieser Zeitschrift, die sich — Gott sei Dank — über das ganze Reich verbreiten, sind durch heimische wie auswärtige Blätter gewiß mehr als genügend über den jüngsten Skandalprozeß unterrichtet, zu welchem die Beziehungen eines Berliner Malers zu seinem Modell Anlaß gaben. Der Ausgang ist auch bekanut und ebenso die ausschließliche Parteinahme der hauptstädtischen liberalen Presse sür die durch das Schwurgericht freigesprochenen Angeklagten. Die Zeitungen, welche schon während des Prozesses mit ihrer Kritik nicht zurückhielten, machten in schneller Aufeinanderfolge aus dem Freigesprochenen einen Unschuldigen, aus dem Unschuldigen einen Märtyrer und aus dem Märtyrer einen Kcuschheitsapostel, und triumphirend tönt es aus allen Spalten der fortgeschrittenen Journalistik: „Die öffentliche Meinung hat den Sieg davongetragen."
Die Reklame hat ja genügend dafür gesorgt, daß der erwähnte Prozeß noch immer den Gesprächsstoff bildet, ein Beweis, wie richtig Schiller die Welt zu beurteilen verstand, wenn er die Herrschaft über sie der Liebe — in allen ihren niedern und hohen Graden — neben dem Hunger einräumt. Ich habe auch über diesen Prozeß mit verschieducn Leuten gesprochen, und da ich sehr viel in der Gesellschaft verkehre, so hat meine Unterhaltung mit Personen der
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