112 Ans dem Stilfser Joch.
dessen Herz so schwer war, so zerstreut und teilnahmlos fanden. Nur die kleine Edith fühlte es, daß der Bruder an einem großen Kummer litt, aber die Ursache desselben konnte sie sich nicht klar machen. Zwar versuchte sie es, ihn zärtlich zu befragen, aber da er nnr ausweichende Antworten gab, so suchte sie nicht weiter nachzuforschen und nnr durch ihr liebenswürdiges Wesen die Wolken von seiner Stirn zu verscheuchen. Harald aber, der die Schwester von Herzen liebte »nd sich besonders zu ihr hingezogen fühlte, setzte sogar ihren Liebkosungen bald eine Apathie entgegen, über welche das Mädchen sich tief grämte. Man konnte zweifeln, ob dieser Gram nicht den ersten Keim zn ihrer Lungcnlrankheit legte, während der sie wochenlang den Bruder nur auf Minuten zn sehen bekam und sonst auf den Umgang mit der Tante beschränkt blieb.
In diesen Verhältnissen und Stimmungen war das erste Jahr vorübergegangen, seit Harald Stolberg, von seinen Künstlerfahrten zurückgekehrt, sich in Berlin niedergelassen hatte. (Fälschung folgt.)
Literatur.
Schwedisches Märchenbuch von Z. TvpeliuS. Deutsch vvu Alma vou PodewilS.
Wiesbaden, Bergmann, 1885.
Märchen von der Jugend und für die Jugend. Immer kommen Kinder als die Helden drin vor, welche in Beziehung zu dem ganzen schönen Reiche der Zwerge und Waldgeister und auch der lieben Eugelein geraten; immer auch knüpft sich au die gauze phantastische Geschichte, die gern im hellen Tageslichte der Wirklichkeit mit einer genrehnft treu geschilderten Kinderszene anfängt, um iu dem süßen Dämmer des Märchens sich zu verlieren, eine gute Lehre. Aber die Erzählungen sind mit soviel Anmut, soviel konkreter Poesie vorgetragen, daß auch der Erwachsene, wenn er sonst Kinder liebt, mit lächelndem Behagen diese Märchen lesen wird. Manchmal freilich tritt die didaktische Absicht prosaisch nackt hervor; auch die Gläubigkeit des Protestanten hätte ohne Schaden für die Moral und zum Nutzen der Poesie diskreter bleiben können; anch schreitet in der einen oder andern Geschichte der Dichter doch wohl über den geistigen Horizont des jugendlichen Wesens hinaus. Im ganzen aber ist es ein liebenswürdiges Buch von einem edel frommen, wahrhaft dichterischen Autor. Die Ucbersctznng liest sich wie ein Original, und sie war gewiß nicht leicht!
Zu meinem Aufsatze in Nr. 38: „Goethes Logengedichte" gebe ich hier eine Berichtigung und einen Zusatz. S. 566 Z. 6 v. v. lese mau „Januar" statt „Februar," und demnach statt „Drei Tage später" Z. 8 f. „Am 19. Februar"; Z. 13 v. u. „ö" statt „8." Zu S. 563 Z. 4 v. u. bemerkt Herr Realschuldirektor Wer- uecke nachträglich, daß schon am 26. Januar 1816 eine Trauerloge für die Prinzessin Karvline stattfand, in welcher „die Versammlung an den großen Verlust ererinnert wurde, den unser erhabenes Fürstenhaus in der Kürze erfahren habe durch den Tod der einzigen Tochter, die in der Blüte der Jahre abgernfeu worden." Die feierliche Trauerloge folgte erst elf Monate später. H. D.
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow iu Leipzig. Verlag von Fr. Will). Grunow in Leipzig- — Druck von Carl Marquart iu Leipzig.