74 Die proportionale Bernfsklassenwahl.
Welches Zahlenverhältnis würde sich nun ergeben, wenn die Vernfsstände nach Maßgabe ihrer numerischen Stärke im Reichstage vertreten wären? Wir stellen zur leichtern Übersicht eine Tabelle auf und legen derselben die amtlichen Ermittelungen des kaiserlichen statistischen Amtes zu gründe, wie sie nach der letzten Zählung vom 5, Juni 1882 im statistischen Jahrbuch für 1884 publizirt worden sind. Die Gesamtbcvölkerung Deutschlands beträgt darnach rund 45,2 Millionen. Hiervon kommen zuvörderst in Abzug die Nichtwahlbercch- tigten: das aktive Heer mit 542 000 sowie die „in Berufsvvrbereituug und Weiterbildung Begriffenen und Anstaltsinsassen" mit 338000. Dann verbleibt eine Bevölkerungsziffer von rund 44,3 Millionen. Hiervon sind männliche Erwerbsthätige 14,35 Millionen. Die Zahl der bei der Neichstagswahl für die fünfte Legislaturperiode 1881 bis 1884 wahlberechtigten Deutschen betrug 9090381.
Eine statistische Angabe darüber, wie viel Wähler auf jede der nachstehend aufgeführten großen Bernfskategorien fallen, bringt das Jahrbuch nicht. Es ist fraglich, ob eine solche Statistik auf Grunddes bisherigen Materials überhaupt aufgestellt werden konnte. Immerhin laßt sich eine annähernde Schätzung — und eine solche genügt für die vorliegende Erörterung — an der Haud der uns zugänglichen Ziffern vornehmen.
Es ist einleuchtend, daß die aus der Subtraktion der 9,1 Millionen Wahlberechtigten von den 14,35 Millionen Erwerbsthätigen sich ergebende Differenz von 5,25 Millionen alle diejenigen jungen Männer umfaßt, welche vor Erreichung des sünfundzwanzigsten Lebensjahres bereits einer Verufsgenossenschaft angehörten. Man kann annehmen, daß das Verhältnis dieser jungen Leute zu ihren wahlberechtigten Berufsgenvssen in den fünf großen Kategorien: 1. der Land- und Forstwirtschaft, 2. der Industrie, 3. des Handels und Verkehrs, 4. der Beamten- und freien Bernfsarten, 5. der häuslichen Dienstleistung so ziemlich dasselbe ist. Bei der letzten Kategorie, der 6. Selbständigen ohne Beruf, welche znm weitaus größten Teile aus Rentnern und Pensionären besteht, wird vermutlich jedes Mitglied wahlberechtigt sein. Die Zahl der Mitglieder unter fünfundzwanzig Jahren kann in dieser Kategorie als verschwindend klein vorausgesetzt werden. Um oie Zahl der Wahlberechtigten jeder VerufMasfe zu ermitteln, werden wir demnach zuvörderst von der Gesamtzahl aller Erwerbsthätigen (14,35 Millionen) die Gesamtzahl der Erwerbsthätigen der Verufs- klasse 0 mit 0,43 Million in Abzug bringen und die so gewonnene Zahl 13,9 Millionen unsrer Berechnung zu gründe legen. Der Ansatz würde beispielsweise bei der ersten Berufsllassc, der Land- und Forstwirtschaft, der folgende sein:
Summe aller Summe aller Summe aller Summe aller
erwcrbsthät. Männer: Wahlberechtigten: crwerbsthät. Landwirte: wahlberecht. Landwirte: 13,9 Will. 8,7 Will.' S,7 Mill. 4,2 Will.