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Literatur.
zweiten Teiles sowie des alten Goethe, des einsamen Olympiers und „Egoisten," „dein das ganze menschliche Leben zn einer Allegorie geworden ist." Turgenjew sucht den „Faust" historisch zu begreifen: er giebt eine Entstehungsgeschichte desselben ans Goethes Person und seiner Epoche heraus; er stellt beide als Egoisten hin, und nennt den „Fanst" ein „egoistisches Werk," welches der geniale Ausdruck seiner Zeit nud darum wahrhaft groß sei. Er weist hin ans die ironische Behandlung des Volkes im „Faust" (Spaziergang, Auerbachs Keller, Szene mit dem Schüler), und zeigt, wie weder für Faust noch für seine Zeit der moderne Begriff der Gesellschaft bestand, von der sie beide im Denken und Thun abstrahirten. Hier liegt der unterscheidende Pnnkt, meint er, zwischen Mittelalter nud Neuzeit. Mephistophelcs ist ihm die Verkörperung des verneinenden Elementes in jedem Menschen: der Reflexion: „sie ist nnsre Kraft nnd unsre Schwäche, unser Verderben und unsre Rettung." Den Schluß, welchen Goethe mit dem Ende des zweiten Teiles seinem Werke gab, neeeptirt Turgenjew nicht: eine thatsächliche Versöhnung findet er so wenig in diesem „Werke der Romantik" wie irgendwo bei Byron. „Die majestätische Gelassenheit im zweiten Teile — sie ist die wahre endgiltige Versöhnung aller ungelösten Fragen und Zweifel. Demjenigen Menschen, welchem die Natur die Möglichkeit einer solchen Beruhigung » priori versagt hat, giebt Goethe keinerlei Bescheid." Also: die Thätigkeit für die Gesamtheit, in welcher Faust schließlich das erstrebenswerte Ziel des Lebens erkannt, die übersieht er. Uebrigens sprüht der Essay von geistreichen Bemerkungen. — Ans dem weitern Inhalt des Buches ist hervorzuheben die Denkrede auf Puschkin, zur Enthüllung seines Denkmals in Petersburg am 13. März 1379 geschrieben; die Vorrede zur russischen Uebersetzung von Auerbachs Roman „Das Wirtshaus (soll Wohl heißen: Landhaus) nin Rhein," die geistvolle Kritik eines Schauspiels von Ostrowsky, in der Turgenjew gegen die kleinlich detaillirende, musivische Psychologie in der Dichtung sehr schlagend zu Felde zieht. „Die Ausgrabungen in Pergamo»" sind einem Besuche derselben in Berlin entsprungen. „Die Feuersbrunst auf dem Meere" schildert ein Abenteuer aus des Dichters Jugend, das ihn bald ums Leben gebracht hätte. „Von den Nachtigallen" nnd „Pegasns" geben zwei Nachträge zu dem berühmten „Tagebuche eines Jägers": herrliche Naturschilderuugeu; „Pegasus" ist ein Denkmal für des Dichters so genannten Huud, der als wahres Geuie seines Geschlechtes von ihm gepriesen wird.
Die Einleitung von Eugen Zabel hätte ebenso gut wegbleiben können; sie teilt mit, daß die Aufsätze aus dem ersteu Bande der russischen Gesamtausgabe genommen seien, sagt aber uicht, ob es alle Aufsätze kritischer Art sind, welche T. hinterlassen hat. Und doch wie wertvoll sind literarische Aufsätze aus der Feder eines so' großen Künstlers! Nicht bloß durch ihren objektiven Gehalt, sondern auch weil sie in seine eigne künstlerische Theorie Einsicht verschaffen.
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Leipzig, im September MS. Die Verlagshandlung.
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