Beitrag 
Analekten zur Geschichte der deutschen Kunst : 4. Die Aufnahme der "belgischen Bilder" in Deutschland.
Seite
309
Einzelbild herunterladen
 

Martin Greif als dramatischer Dichter.

309

zulenken, das von unsern großen Genien eroberte Gut gefährden und die Kunst raschem Verfall zuführen müsse."

Noch entschiedner sprach sich Qncindt in Dresden in einem Briefe an Julius Schnorr von Carolsfeld, welcher bald darauf auszugsweise im Kunst­blatt abgedruckt wurde, gegen den Realismus der Fremden aus. In Dresden waren die beiden Gemälde zum Besten des Kiinstler-Unterstützungs und Witwen­fonds Ende Januar und Anfang Februar im Saale der Kunstausstellung auf der Brühlschen Terrafse zu sehen gewesen und hatten gleichfalls allgemeine An­erkennung gefunden. Aber Qumidt wollte nichts von ihnen wissen. Nachdem er in seinem Schreiben erst seinem Unwillen über die Begeisterung der Berliner Luft gemacht und ihnen zur Strafe für ihre Vorliebe für die Düsseldorfer einen Hieb erteilt hat, holt er weit aus, um dem Freunde zunächst eine Vor­lesung über die französische Kunst zu halten. Er findet, daß die Franzosen in unsrer Zeit doch nur drei große Künstler aufzuweisen haben: Hvraee Vernet, Delaroche und Scheffer. Daß sie auch einen Delaeroix hatten, scheint er nicht zu wissen. Dann charalterisirt er diese Künstler, wie? das mag man selbst nachlesen, wenn man nach folgender Probe noch weitere zu vernehmen wünscht: Alle Kunst ist ein Streben nach Wahrheit, jedoch beruht die des Genrebildes auf der Übereiustimmung mit dem Scheine (!), die der monumentalen oder Historienmalerei in der Übereinstimmung der Darstellung mit einem geschicht­lich gegebenen Charakter oder Begriffe, und die Wahrheit der hvhern Kunst besteht in der Einheit der Idee und ihrer Erscheinung." Ein so sublimer Kri­tiker wie Quandt verabscheut natürlich jeglichen Realismus; er begnügt sich damit zu konstatiren, daß man in Paris und Düsseldorf in gleicher Weise dieser Abart der Kunst huldige, und damit meint er auch die Belgier abgethan zu haben. (Schluß folgt.)

Martin Greif als dramatischer Dichter.

e öfter sich die Kritik veranlaßt sieht, der übermäßigen Bewunde­rung des Mittelmäßigen und dem Sichbreitmachen des Schlechten Einhalt zu thun, desto seltner ereignet es sich, daß sie ein wohl­ausgeführtes, behagliches, herzliches Lob spendet. Das hat seine Gründe; ist doch der Mensch an sich mehr geneigt, von seines Nächsten Fehlern als von dessen Tugenden zu reden; giebt es doch unzweifel­haft weit mehr Tadelns- als Lobenswertes, und ist es doch bekanntermaßen viel leichter, amüsant zu tadeln als interessant zu loben. Aber eine Kritik, die