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Reisebriefe aus Italien vom Jahre 1882 : aus dem Nachlasse :
(Schluß.)
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Ungehaltene Fenenrede.

Mvdena, 30. November. sMerZ'o ä'Italia..) Zurück über Bologna nach Modcna. Der Dom ist ein höchst malerisches, durchweg romanisches Bauwerk, welches seine Eutstehnug der Markgräfin Mathilde, von Tvskann verdankt. Außen die charakteristischen Arkaden mit den dünnen Säulchcn und schweren, Kämpfern, die Vorhalle auf Löweu ruhend, alles schwarz vom Alter. Auch das Innere ist romanisch verblieben. Eigentümlich ist in dieser Kirche, daß die unter dem stark erhöhten Chor gelegene Kryvte nach vorn zu ganz offen ist, svdaß man nnf den Chor nnd in den Säulcnwald der (mit Kerzen erleuchteten) Krypte, zugleich sieht, ein Anblick, wie ihn die mittelalterliche religiöse Bühne ge­währt haben mag. Nordischem Einflüsse ist es zn danken, daß die Kanzel als inte- grirender Bestandteil des Baues behandelt ist, wie wir dies nachher anch in andern hiesigen Kirchen sahen, während dieselbe im Süden nur ein Versatzstück bildet.

(Hier enden die Aufzeichnungen.)

Ungehaltene jerienrede.

ollen wir der freundlichen Gewohnheit des Nedenhaltcns entsagen, das Volk, welches Sprüche politischer Weisheit von uns ver­nehmen möchte, schmachten lassen, weil die parlamentarischen Ver­sammlungen feiern? Ich höre ein vielstimmiges Nein von allen Seiten ertönen, mancher Kollege ist auch schon entschlossen zur That geschritten, und da die Hundstage noch nicht vorüber sind, können wir uns noch verschiedncr geflügelten Worte versehen, wie jenes vom Hnndcrtmalhöherftchen." Eben dieses bestärkt mich in der Absicht, das lästige Schweigen zn brechen. Da ich mich in diesem Augenblicke viertausend Fuß über dem Meeresspiegel befinde und die auswärtige Politik mir viele Sorgen macht, so darf ich behaupten, den auswärtigen Fragen gegenüber einen beinahe hundertmal höhcrn Standpunkt cinznuehuien als der Reichskanzler, so lange er so gefällig ist, in Varzin zu, weilen.Beinahe" sage ich, denn wer möchte sich anmaßen, auf verhältnismäßig gleicher Höhe zn stchen wie Eugen der Unerreichbare!

Indessen werde ich mich hüten, die einfache Lösung aller in Europa schwe­benden Fragen, welche ich vorrätig habe, unentgeltlich zum Besten zu geben. Denn wenn die Herren Bismarck, Giers, Salisburh u. s. w. mit meinem Kalbe pflügten, so hätten sie den Ruhm davon nnd ich das Nachsehen. Bleiben wir daher im Lande, wo genug zu schaffen ist. Auch fehlt es mir hier am Orte durchaus nicht an dankbaren Zuhörern. Die alten Fichten nicken zu meinen Reden verständnisinnig, falls gerade der Wind geht, nnd wenn ich meinen nenen Freunden in der Schenke auseinandersetze, daß künftig alle Steuern vom großeil Grundbesitze getragen werden sollen, so sprechen sie schmunzelnd:Sell wär' scho recht." Aber ihr Gesichtskreis ist doch zu eng, ihre politische Bildung zu lückenhaft. Neulich erzählte ich ihnen, wie oft Nichter schon das Vaterland ge­rettet hat: da schlugen sie ein lautes Gelächter auf und schrieen, das habe er nicht gethan. Die Ärmsten dachten dabei an ihren Dorfrichtcr, der am andern Tische die Amtssorgcn mit sancrm Wein hinabznschwcmmen bemüht war; einen andern Nichter behaupteten sie nicht zn kennen. Einer aber, ein Ketzer, wie die andern mir zuraunten, erinnerte sich, etwas vom Buch der Richter gehört zu habeu. Ich glaubte dann ihrem Verständnis näher z» kommen, indem ich fragte,