262 Lin politischer Dichter und Zeitungsschreiber des achtzehnten Jahrhunderts.
Allstoß, es geht einmal nicht anders, nnd sv findet man sich leicht darein. Nicht selten greifen übrigens auch Weiber und Mädchen zu diesem lustigen Handwerk nnd ziehen als fahrende Harfenistinnen im Lande umher.
Viele Eichsfelder übeu auch das Gewerbe der Wollkrätzer aus, eine Erwerbsquelle, die jedoch seit Jahren mehr und mehr versiegt. Seit die Hausindustrie dem Großbetriebe das Feld hat räumcu müssen, ist diesem Erwerbe der Boden entzogen.
Trotz solchen Wanderlebens hält der Eichsfclder mit bewunderungswerter Zähigkeit an seinen heimischen Sitten, Lebensgewohnheiten und Trachten fest. Die Tracht der Mädchen und Frauen ist, während fast allerwärts unsre nivel- lirende Zeit Gleichförmigkeit eingeführt hat, seit alten Zeiten unverändert geblieben. Die Mädchen tragen kurze und wenig über die Kniee reichende Röcke, am liebsten in möglichst bunten, schreienden Farben, um die Brust ein buntes Tuch geschlagen. Unverheiratete Mädchen tragen keinen Kopfputz, dagegen ist die spitze Haube mit hinten herabhängenden langen Bändern das untrügliche Zeichen der Fraueuwürde. Ein weiter Mantel von bedrucktem Kattun vervollständigt diese, wenn auch nicht besonders schöne, so doch typische Tracht der Eichsfeldcrin. Fast untrcuubar von ihr ist der Tragkorb, der auf dem Nucken hängt. Nie wird sie anders als in diesem Korbe Lasten befördern, nie sieht man sie eine Bürde am Arm oder auf dem Kopfe trage».
Ein politischer Dichter und Zeitungsschreiber des achtzehnten Jahrhunderts.
m Schlüsse des zehnten Buches von „Dichtung und Wahrheit" erzählt Goethe launig, daß der sv einsichtige als geistreiche Doktor Gall nach seiner Schädellehre beteuerte, „ich sei eigentlich zum Vvlksredner geboren. Über diese Eröffnung erschrak ich nicht wenig; denn hätte sie wirklich Grund, so wäre, da sich bei meiner Nation nichts zu reden fand, alles übrige, was ich vornehmen konnte, leider ein verfehlter Beruf gewesen." Nichts zu reden fand? Nun Gegenstände, welche dem Volksredner zu Bethätigung seiner Gabe hätten anreizen können, wären wie immer und überall so auch im Deutschland des achtzehnten Jahrhunderts nur in allzureicher Fülle vorhanden gewesen; allein wo gab es damals in Deutschland außerhalb der Kanzeln einen Ort, von dem aus ein volkstümliches Rcdner- talent die Nation anregen, in gutem oder schlimmein Sinne auf sie hätte ein-