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lichkeit in leicht erkennbarem Siegel jedem Vers, jedem Gleichnis, jedem Einfall aufprägt, den sie niederschreibt. Wir haben nichts von ihren Hymnen „Der Schönheit," „Der Kuß," von ihrer großartigen „Vision" gesagt, in der sie von Kronos die Wahrheit begehrt und die Sehnsucht als irdisches Erbteil erhält; dieses orgiastische Element haben wir kaum angedeutet. Indes sei es genug mit der Hervorhebung der Hauptzüge, die wohl unser Urteil bestätigen, daß es eine geistreiche und sehr interessante Persönlichkeit ist, welche sich in den „Dichtungen" ausspricht. Was die Durchbildung der innern Form anlangt, die gern etwas breit, wortreich, rhetorisch wird, was die nicht immer rein poetische Bildlichkeit im Ausdrucke und in der Anschaunng betrifft, wo nur zu sehr Allegorien uud abstrakte Wendungen beliebt sind, kurz, in künstlerischer Beziehung ließe sich vielfach an diesen Gedichten herumnörgeln; aber wir glauben, es genügt die bloße Andeutung dieser leicht abstreifbarcn Schwächen, um der Dichterin das Studium des echt poetischen Stiles nahezulegen. Hat sie ihren Stil erst künstlerisch ausgebildet, so ist es außer Zweifel, daß sie sich den edelsten dichterischen Frauengestalten wird anreihen können, welche die dentsche Literatur besitzt.
Innsbruck. , M. Necker.
Reisebriefe aus Italien vom Jahre ^882.
Aus dem Nachlasse von N>. Roß mann.
(Fortsetzung.)
Rom 14. November, ir begannen mit der Augnstinerkirche Maria del Popolo, unmittelbar am Thore gleichen Namens. Mehrere Kapellen und der Chor sind von Pinturicchio ausgemalt, und diese Fresken gehören zu dem Anmutigsten, was in Rom zu sehen ist.
Hinter dem Chor die im Jahre 1507 errichteten Grabmäler des Kardinals Basso und des Kardinals Sforza von Scmsovino, Arbeiten von feinstem Geschmack, sowohl was die Architektur wie was die Skulptur betrifft. Darüber Glcisgemttlde aus dem Jahre 1S09 von Guillaume de Marcillcit und Claude ausgeführt, von vorzüglicher Schönheit. Von edelster Harmonie ist die Kapelle der Novere, welcher mehrere Päpste, unter ihnen Julius der Zweite, angehörten. Ein Marmor- und Jaspis-Ensemble von bestem Geschmack ist die Kapelle Cibo; das Vollkommenste aber ist die von Raffael gebaute und nach seinen Entwürfen geschmückte Kapelle
MM.
MMW