Dilettantismus und Berufsschriftstellertum.
75)
ihre ästhetische Bedeutung kennen zu lernen und demgemäß ihr Schaffen zu gestalten. Freilich wird ihm die Leistungsfähigkeit der Maschine Schranken auferlegen; aber der rechte Künstler wird gerade in diesen Schranken wieder neue > Quellen für die Ausbildung der Formensprachc zu finden wissen, gerade hierin wird er beweisen, daß er Künstler ist. Eins aber wird auf diesem Wege immer verloren gehen: der unmittelbare Ausdruck der Persönlichkeit. Da bleibt denn nur zu hoffeu, daß neben der Mehrzahl der Minderbemittelten, welche ihr ästhetisches Bedürfnis mit den Maschinenprodukten des Kunstgewcrbes befriedigen muß, es Wohlhabende genug gebe, welche mit den Mitteln auch das Bedürfnis besitzen, unmittelbar vom Künstler selbst Geschaffenes nicht bloß cmf dem Gebiete der Kunst im engern Sinne, sondern auch auf dem weitem Knnstgebiete, auf dem des Kuustgcwerbes zu verstehen und zu begehren; wo zwischen Erfindung und Ausführung die Hand allein thätig ist, kann sich auch in der kunstgewerblichen Schöpfung jenes Leben zeigen, welches als das Ergebnis einer erhöhten Stimmung der auf- uud abwogeuden meuschlicheu Seele vou Herz zu Herzen spricht. Eine solche Sprache wird aber nur da eintreten können, wo außer der Natur der Form auch die Natur des Stoffes erkauut und damit ein Grund- prvblem des Kunstgewerbes verstanden wird, die Frage, wie beide in ein richtiges, das im einzelnen Falle erstrebte Ziel erreichendes Verhältnis zn treten vermögen.
Dilettantismus und Berufsschriftstellertum.
Von Fritz Koegol.
err Professor Joseph Kürschner will gegen den literarischen Dilettantismus zn Felde ziehen. Er hat die Preisfrage gestellt, wie am besten dem überhandnehmenden Dilettantismus in der Literatur zu steuern sei, und verlangt, daß die Arbeit den Dilettantismus knapp, aber scharf charakterisire, seine Schäden für das Ansehen der Literatur und die „Interessen der Berufsschriftstcller" darlege und praktische Vorschläge zu seiner „Unschädlichmachuug" (!) angebe.
Diese schriftstellerische Preisfrage kommt mir recht dilettantisch vor. Preisfragen haben zwar von altersher das Vorrecht, ein bischen verkehrt zu sein, von diesem Rechte aber macht die vorliegende Frage doch einen zu ausgedehnten Gebrauch. Man kann nicht anders: wenn man sie behandeln will, muß man ihr auf den Leib rücken.